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…und durch den Zyklon Narelle gestoppt!
Nach unserer Warteschlaufe im Südwesten von Westaustralien und dem erneuten Stopp in der Werkstatt von BackpackerCars in Perth, starteten wir das 2. Mal in Richtung Darwin. Unser Toyota musste erneut in die Werkstatt, da an der Lenkung die Kugelgelenke erhebliches Spiel hatten. Zwar könnte man so in Australien umherfahren, doch der Geradeauslauf des Autos war alles andere als vertrauenswürdig. Und, wie es so ist; das Auto war für ein technisches Problem in der Werkstatt, das gelöst wurde, hatte aber 2 neue Probleme. Keine Ahnung, was bei dieser Reparatur so alles falsch gemacht wurde. Vielleicht hat es auch mit dem Alter des Toyotas zu tun; sobald man irgendwo herum schraubt, schon kommt das nächste Problem zum Vorschein.
Es dauerte zwei Tage, bis wir eine der neuen Störungen erkannten. Bei der Suche nach dem Problem erkannte ich (Tom) noch gleich weitere Dinge, die nicht ordnungsgemäss gelöst oder behoben wurden. Doch zu unserer Beruhigung; das Auto fährt auch so. Auf die Innenraumbeleuchtung und andere Lämpchen können wir verzichten. Ein kleines Ärgernis war einzig, dass die beiden Tageskilometerzähler im Kombiinstrument beim Entfernen des Zündschlüssels immer auf „0“ zurückgestellt werden. Doch wie schon erwähnt; das Auto fährt auch ohne diese Gadgets und für einen erneuten Werkstattbesuch hatten wir keine Lust mehr.
Wir verliessen den Grossraum Perth auf uns bekannten Wegen. Wir wollten so schnell als möglich nordwärts kommen und vor dem Osterurlaub den Ningaloo Nationalpark, bzw. den Cape Range N.P. besuchen. Für diese Ferienzeit waren bereits alle Zeltplätze ausgebucht. Dass im Nordosten von Australien ein Zyklon sein Unwesen trieb war uns ebenfalls bewusst, wie die grosse Wärme in den nördlichen Teilen von Westaustralien. Den Zyklon als auch die grossen Überschwemmungen im Osten und Norden beobachteten wir aufmerksam und hofften insgeheim, dass dieses Wetterphänomen nicht ganz auf die Westseite reichen würde.
Leider kam es anders als wir es wünschten. An einem Strandcamp wurden wir erneut von Wildbienen in die Flucht geschlagen und im Inland, d.h. einige Kilometer von der Küste entfernt, waren die Fliegen immer noch omnipräsent. So mussten wir uns öfters ins Moskitozelt zurückziehen und warten bis die Sonne hinter dem Horizont verschwand. Glücklicherweise dunkelt es in Australien sehr früh ein, so dass wir unsere Kochkünste doch noch in die Tat umsetzten konnten. Zwar waren bei Dunkelheit die Fliegen weg, doch die nachtaktiven Wesen waren sogleich anwesend. Dank dem ultrastarken Mücken- und Insektenschutz von „Bushman“ war es einigermassen aushaltbar.
In Yanchep besuchten wir noch einmal den gleichnamigen Nationalpark, wo wir in fast parkähnlicher Umgebung Koalas, Kängurus und viele weitere Wildtiere aus nächster Nähe beobachten konnten. Bei den Pinnacles im Nambung-Nationalpark legten wir ebenfalls einen erneuten Stopp ein und waren erstaunt, wie sich die Lichtverhältnisse in einem Monat positiv verändert haben. Erfreulicherweise war auch der Besucherandrang im Park geringer und auf der Schotterpiste durch die Pinnacles-Steinwüste gab es kein „stop-and-go“-Verkehr.
Über Nebenwege und Tracks bewegten wir uns weg vom Meer und suchten einen heruntergestuften Nationalpark im Hinterland auf. Bald war uns auch klar, warum der riesige und ehemalige Nationalpark, der etwa 200 Kilometer östlich von Geraldton liegt, aus dem Schutzprogramm genommen wurde; überall werden mit riesigen Maschinen Mineralien und Erze abgebaut und ganze Landstriche umgewühlt. Für die nächsten 30 Jahren sollte in dieser Gegend alles Mögliche abgebaut werden, so dass man eigens dafür eine neue Eisenbahnlinie baute. Die angrenzenden Gebiete stehen noch weiterhin unter irgendeinem Schutz und man versucht mit viel Aufwand alte Tierarten wieder anzusiedeln. Eingeschleppte und invasive Tiere versucht man mit Giftködern und Abschüssen zu elimieren. Trotz der Giftköder und möglichen Tierabschüssen darf man mit dem Offroader quer durchs Gebiet fahren und grosszügige Campareas ermöglichen atemberaubendes Buschcampfeeling.
Nach so viel Feeling im Outback, wo uns die Fliegen und Mücken in die Nacht hinein begleiteten, bewegte sich der Zyklon Narelle weiter westwärts und setzte nicht nur weite Teile von Northern Territory unter Wasser, sondern auch der nördliche Teil von Westaustralien. Sogar Saltis (Salzwasserkrokodile) schwammen in den Siedlungen. Wir verbrachten viel Zeit im Internet und den unzähligen Prognosen für die nächsten Tage. Zu unserem Verdruss kam der Zyklon uns entgegen. Nebst extremen Winden sind auch starke Regenfälle vorhergesagt und die Bevölkerung wurde angewiesen, dringend gewisse Schutzmassnahmen zu ergreifen.
Wir sind totale Neulinge in Bezug auf tropische Wirbelwinde und was in einer solchen Situation alles passieren kann. Die Aussies nehmen es – wie immer – sehr gelassen und man spürt bei ihnen kaum eine Anspannung. Selbst der immer teurer werdende Spritpreis an der Zapfsäule, die infolge des Krieges im Nahen Osten täglich zwischen 10 und 20 Cent mehr kosteten, brachte sie kaum aus der Verfassung. Zwar sahen wir immer öfters an den Zapfsäulen das Schild, dass das gewünschte Produkt momentan nicht mehr erhältlich ist. Selbst in den Lebensmittelgeschäften standen bereits diverse Produkte nicht mehr in den Regalen. Kann für uns Reisende noch spannend werden und wir vermuten, dass wir bei der Versorgung von Treibstoff und Lebensmitteln hinten anstehen müssen….!
Um den herannahenden Zyklon unbeschadet zu überstehen, buchten wir auf einem Campingplatz ein günstiger Bungalow für die Tage, so dass der Zyklon der Küste entlang wirbeln kann ohne uns zu schaden. So reisten wir erneut an die Küste, wo die Infrastruktur als auch die Windgeschwindigkeiten etwas tiefer sein sollte, der voraus gebuchten Unterkunft entgegen. Der Wind nahm bereits an Stärke zu und überall wurde von den weiten Feldern viel Sand aufgewirbelt. Noch während unserer Fahrt wurden wir vom Campingplatz kontaktiert und mitgeteilt, dass sie die gewünschte Unterkunft uns nicht vermieten könnten; diese Häuschen wären für Zyklone nicht geeignet und vorsorglich wurden selbst alle Camper vom Zeltplatz verwiesen. Für uns war es ein ziemlicher Schock und fragend schauten wir uns gegenseitig an, wo wir noch hingehen könnten?
Doch auch in Australien wird trotz einer widerlichen Situation das Business nicht vergessen; uns wurde umgehend vom Campingplatz ein Upgrade angeboten, so dass wir in einem soliden Steinhaus die Zeit sicher überbrücken können. Zwar mussten wir gleich noch einmal tief in unsere Tasche greifen und viele Dollars für diese sichere Variante ausgeben, doch wie schon gesagt; wir sind Neulinge in Bezug auf Wirbelstürme, tropische Regenfälle und unsere Sicherheit geht dem Abenteuer im Dachzelt vor.
So bezogen wir unser Appartement und waren gespannt was als nächstes passieren würde. Auf dem Campingplatz wurde bereits vieles vorsorglich gesichert oder geräumt, doch der grosse Wind blieb aus. Wurden wir von den Voraussichten in die Irre geführt? Erneut verbrachten wir viel Zeit mit allmöglichen Recherchen und wie es weiter gehen würde. Die Warnseite von Westaustralien wurde auch immer konkreter und gab bald genaue Hinweise fürs richtige Verhalten. Chantal’s Warn-App reagierte auch mit entsprechenden Verhaltensregeln, obwohl draussen noch alles ruhig war. In regelmässigen Abständen schauten wir durchs Fenster oder gingen hinaus auf den Balkon und suchten nach dem windigen Abenteuer. Doch nichts geschah; nur dicke Wolken, zeitweise leichter Regen und wenig Wind!
Die Nacht auf Samstag, wo eigentlich der grosse Sturm hätte vorbeiziehen sollen, war absolut ruhig. Am Morgen hüpften wir aus dem Bett und schauten gespannt nach draussen. Doch, nichts! Keine umgeknickten Bäume oder sintflutartiger Regen; einfach ein verregneter Samstagmorgen. Hatten wir Glück oder sind wireinfach an den richtigen Ort gefahren?
Bei den nachfolgenden Recherchen konnten wir feststellen, dass der Zyklon etwa 250 Kilometer nördlich von uns nach Südosten abschwenkte und übers Inland zog. Wir waren bereits aus der Gefahrenzone. Dafür waren sämtliche Strassen um uns herum gesperrt. Die Regenmassen im Inland brachte vermutlich alle Flüsse an ihre Grenzen und die sonst trockenen Furten müssen wohl sehr tief unter Wasser stehen.
Tja, jetzt hoffen wir, dass die Strassen bald wieder öffnen werden und wir unser Abenteuer fortsetzen können. Sind gespannt, welche Abenteuer noch auf uns warten. 😊
Chantal und Tom / Ende März 2026


































































