Australien im Rückblick

>Bilder ganz unten!

…. ein Traum oder eine Tortour?
Gleich im Voraus: Viele träumen von diesem Kontinent und würden am liebsten gleich dortbleiben, andere sehen keinen Grund nach Australien zu reisen. Auch bei uns war es nicht viel anders; für Tom war es seit jeher ein Traum, Chantal konnte hingegen von den endlosen Weiten nichts abgewinnen. Auch werden wir immer wieder gefragt, wo es uns am besten gefiel; eine Frage, die wir nie sofort und klar beantworten können. Bei einem so grossen Land gibt es unzählige Ecken und Landstriche, die uns total in ihren Bann zogen. Deshalb mussten und müssen wir für eine abschliessende Antwort immer passen.

Tom: Ein wahres Paradies für Outdoor-Liebhaber, wo man fast alles machen kann, jedenfalls mit einem 4×4. Alle Wege, die nicht als privat markiert sind, darf man befahren. Selbst in den Parks stehen viele Wegverbindungen für Fahrzeuge offen. Ein Traum für jeden Offroad-Fahrer. Gewisse Wegverbindungen bedürfen einer Bewilligung, die man jedoch meist gegen ein Entgelt und Einhaltung der Restriktionen erhält.
Ebenfalls war ich von den Weiten und Abgeschiedenheiten mehr als nur begeistert. Man kann tagelang unterwegs sein, ohne dass man irgendjemanden in die Quere kommt. Ebenfalls schätzte ich die Camps, die meistens absolut ruhig waren und der Sternenhimmel, der mich oft um den Schlaf brachte. Die Campfeuer waren – ausser bei absolutem Feuerverbot – immer das abendliche Highlight.
Persönlich hatte ich einen Riesen Respekt vor den kriechenden Lebewesen. In Australien leben die giftigsten Schlangen der Welt und bei einigen hat man nur ein kurzes Zeitfenster für die Verabreichung des Gegengiftes. Bei unseren Touren, die wir gelegentlich gefahren sind, hätte dies, bei einem allfälligen Biss, tragisch enden können. Mit einer gewissen Vorsicht kann man dieses Risiko zwar stark vermindern, doch ausschliessen kann man es nie.
Dann war noch die Regenzeit im Nordwesten von Westaustralien sowie Northern Territory, die uns oder besser gesagt mir, einen gehörigen Strich durch meine Wunschvorstellungen machte. Die diesjährige Regenzeit (2025/2026) war aussergewöhnlich lang und stark, sogar mit einem starken Taifun. Danach waren im Kimberley fast alle Wegverbindungen gesperrt, überschwemmt und mit vielen Krokodilen in den unzähligen Furten (Wasserdurchfahrten). Im nördlichen Teil von Northern Territory war fast alles saisonbedingt oder wegen hoher Wasserstände geschlossen.

Chantal: Tja, es war eine lange Zeit als Beifahrerin die Fahrkünste des Lenkers zu navigieren und die Falschfahrten zu korrigieren. Nein, es war keine Wunschdestination und es wurde nur dem lieben Ehemann sein lang ersehnter Wunsch erfüllt. In den weiten Landschaften gab es fast nichts an Wildtieren zu sehen, die meisten lagen tot auf oder neben der Strasse.
Dann waren die klimatischen Verhältnisse alles andere als angenehm. Bei der Ankunft in Sydney war es bitterkalt und nass und selbst ein Schneeregen überzog die Stadt. Beim nördlichen Cape York war es feucht und heiss, im zentralen Teil um Alice Springs unerträglich und ganz im Norden um Darwin eine schwüle Hitze der Superlative. An der West- und Nordwestseite von Australien zeigte das Thermometer öfters Temperaturen von über 40°C an, selbstverständlich immer mit einer hohen Luftfeuchtigkeit.
Auch die Insekten waren immer irgendwie und -wo auf der Suche nach menschlicher Nahrung. Die Buschfliegen waren durch den Tag mehr als nur lästig. Abends wurden diese durch Stechmücken abgelöst. Unter anderem gab es noch diese stechende Fliegen, ähnlich wie bei uns die Rossbremse, aber die Stiche schmerzen einiges mehr. Zweimal mussten wir morgens früh von einem Wildbienenschwarm flüchten. Und dann wären noch die vielen achtbeinigen Krabbeltiere; die waren wirklich überall und selbst im stillen Örtchen krabbelten sie genüsslich herum.
Rätselhaft, wieso viele Reisende von Australien schwärmen!
Auch das Dachzelt war nicht optimal, vor allem wenn man nachts auf die Toilette muss!
Auch als Allergikerin kamen Probleme hinzu, da die Aussis überall, sogar im Brot Soya reinmischen.

Wildtiere: Für uns war Australien in Bezug auf freilebende Tiere fast eine Enttäuschung; Kängurus, Wombats, Koalas, Schlangen und viele mehr, die Vogelpracht nicht zu vergessen, erlebt man immer wieder Einzeltiere, sowie kleinere und grössere Herden Kängurus. Doch die vielen Zäune sind besonders für Kängurus oft tödliche Fallen und unüberwindbare Hindernis vor der herannahenden Gefahr. Von den Behörden wird mit dem Gift 1080 gezielt jagt auf ausgewilderten Katzen und Hunden gemacht. Irgendwie ist dieses Vorgehen sicher zu verstehen, da in Australien viele Vogelarten Bodenbrüter sind und unzählige Vogelarten oft am Boden leben. Doch was passiert mit dem heimischen Dingos? Sind sie auch unerwünscht? Erschreckend ist ebenfalls das Bild entlang von Strassen und Wegen; nirgends sahen wir so viele tote Tiere entlang unserer Strecken. Es gab Tage und Strecken, wo quasi alle 50 m ein totes Tier am Strassenrad lag. Selbst auf Nebenstrecken und Schotterpisten lagen tote Tierkadaver neben oder auf der Wegstrecke. Wir fragten uns öfters, ob es in Australien ein Volkssport ist, Wildtiere mit dem Auto ins Jenseits zu befördern; anders konnten wir das täglich gesehene Gemetzel nicht erklären. Für zarte Menschengefühle ist ein australischer Roadtrip nicht ganz zu empfehlen! ☹

Auto: Ohne eigenes Fahrzeug ist man in Australien fast ein wenig verloren. Einen öffentlichen Verkehr sucht man vergebens und viele Orte sind ohne eigenes Fahrzeug gar nicht erreichbar. Mit dem Fahrrad sind diese unendlichen Distanzen kaum zu meistern und die klimatischen Verhältnissen können eine Fahrradtour zur Hölle werden lassen.
Wir kauften bei BackpackerCars in Sydney – inzwischen an 4 Orten vertreten – ein Occasion Fahrzeug mit 217’000 Kilometer. Der Toyota Prado, der kleine Bruder vom grossen Land Cruiser, hatte all die erforderlichen Offroadgegenstände, die es abseits der guten Strasse manchmal braucht; von der Seilwinde mit Bullbar (massive Frontstossstange mit extrem hohen Schutzbügel) über den Schnorchel hin zur Geländeuntersetzung mit Sperrdifferenzial und 2 Tanks mit total 180 Liter Inhalt. Der UHF-Funk war selbstverständlich auch eingebaut. Vor der Wegfahrt und der grossen Tour liessen wir noch eine massive Heckstossstange montieren, so dass das Reserverad nicht mehr an der Hecktür hing und uns die Möglichkeit gab, Wasserkanister und Gasflasche aussen zu deponieren. Der Dachträger war für das schwere Dachzelt und die 270°-Markise total unterdimensioniert und die unteren Plastik Unterlagsplatten gaben unter der schweren Last immer mehr nach. Das Nachziehen der 6 Befestigungsschrauben war nur begrenzt möglich. Am Schluss unserer Reise klapperte es jedenfalls besorgniserregend auf unserem Dach. Statt der 3 Dachstreben wäre ein richtiger Dachträger, z.B. von Rhino-Rack, eine bessere aber etwas teurere Wahl gewesen.
Dann noch die Autoelektrik; irgendjemand baute einmal eine Doppelbatterie ins Auto ein, verband noch viele weitere elektrische Verbraucher und verlegte die elektrischen Kabel komplett unübersichtlich. Wie die Zusatzbatterie vom Camper Abteil integriert ist, war ebenfalls nicht ganz klar, ob vom Generator des Motors überhaupt Energie nach hinten zur Zusatzbatterie gespiesen wurde. Von der Zusatzbatterie konnte jedenfalls keine Energie nicht nach vorne gespiesen werden, was bei der schlechten Doppelbatterie im Motorraum sicherlich von grossem Vorteil gewesen wäre. Beim Einsatz der Seilwinde waren die Fahrzeugbatterien oft am Ende ihrer elektrischen Kapazität und beim letzten Windeneinsatz war kurzerhand das ganze Auto «tod»!
Kaum waren wir auf unsere grosse Tour gestartet, bremsten uns unzählige Plattfüsse aus. Wir liessen die über 10 Jahr alten Reifen durch neue ersetzen, obwohl das vorhandene Profil noch ausreichend gewesen wäre. Ebenfalls ersetzten wir den übergrossen Ersatzreifen, der überhaupt nicht mit den vier montierten Reifen übereinstimmte.
Alle 10’000 km war ein kurzer Werkstattaufenthalt angesagt, wo das Motorenöl mit Ölfilter ersetzt wurde; die Australier machen alle 5’000 resp. 10’000 km einen Ölwechsel. Dies ist selbst im Wartungsbuch von Toyota vorgesehen und es wird behauptet, dass aus diesem Grund die australischen Autos sehr hohe Laufleistungen erreichen.
Auch ein Toyota kann einen Schaden erleiden. Zweimal mussten wir Reparaturen am vorderen Antriebsstrang und der Lenkung ausführen lassen. Zum Verdruss leistete die extra abgeschlossene Mechanik-Garantie keine Rückzahlung und somit mussten wir die gesamten Kosten übernehmen.
Der 4-Liter Benzinmotor hatte selbst bei moderater Fahrweise einen unheimlichen Durst und wegen der weltpolitischen Lage brachten die Benzinpreise unser Reisebudget ordentlich durcheinander. Wir legten über 60’000 km zurück und tankten 10’167 lt. Benzin, was einen Durchschnitt von ungefähr 16,9 lt./100 km ergibt. Wahnsinn!
Wegen der zusätzlichen Ausrüstung wie Dachzelt und Markise war das Auto wohl nicht sonderlich aerodynamisch und das Gewicht im Innern war sicherlich nicht treibstoffsparend. Wir rechneten einmal alles in groben Zügen zusammen und kamen auf rund 3’000 kg Gesamtgewicht; für den Prado etwas zu viel!
Der grosse Vorteil von BackpackerCars war für uns, dass sie das Auto zurückkaufen und wir dadurch stressfrei unsere Rückreise antreten konnten. Gemäss der Richtlinien bekommt man 60% des Wiederverkaufserlös vom Auto zurück, wobei die Reparaturen und die Erneuerung der jährlichen Zulassung in Abzug gebracht werden. Die gesamt gekaufte Ausrüstung, welche man zurückgibt, ist verloren und wird nicht angerechnet. Darum haben wir kurzfristig einen Flohmarkt organisiert und doch noch einiges verkaufen können. Zu unserem Verdruss; kaum hatten wir das Auto abgegeben und den Rückkaufvertrag unterschrieben, erhielten wir bereits am Flughafen einen Anruf von BackpackerCars mit einer haarsträubenden Nachricht. Gemäss diesem Gespräch hatte das Auto einen Motorschaden und hinten dampfte weiss-blauer Rauch aus dem Auspuff und hätte, nach ihren ersten Diagnosen, nur noch Schrottwert. Ein zugesandtes Video veranschaulichte uns den möglichen Schaden. Wir fragten uns gleich gegenseitig, ob hier etwas manipuliert wurde oder ob alles mit rechten Dingen zugehen würde. Wir fuhren an diesem Tag noch ohne Problem viele Kilometer zu BackpackerCars in Sydney und hatten keinerlei Probleme! Jedenfalls versprachen sie uns, den Toyota in einer entsprechenden Fachwerkstatt weiter untersuchen zu lassen. Wenige Tage später erhielten wir die Diagnose und den dazu gehörigen Bericht. Der Schock war heftig, der Motor soll defekt sein und muss für rund 9000 AUD ersetzt werden. Gemäss dem Bericht war u.a. die Ölpumpe nicht mehr in Ordnung und von diesem Schaden aus folgte eine Kettenreaktion, so dass gleich mehrere Bauteile einen grösseren Schaden nahmen. Wie die ganze Geschichte um den Austausch ablaufen soll und was am Schluss für uns an australischen Dollar übrigbleiben wird, steht vermutlich in den Sternen. Eine Intervention unsererseits ist fast ausgeschlossen; Australien ist weit weg – zu weit um irgendwie etwas vor Ort zu unternehmen.
Schlussendlich einigten wir uns mit BackpackerCars und sie kauften uns das Auto für 2000 AUD ab. Sie werden es als Ersatzteilspender nutzen, da vermutlich auch für sie ein Motorenaustausch zu risikohaft sein könnte; der Toyota ist 23 jährig und hat über 27500 km auf dem Tacho!

Campingausrüstung: Diese wurde durch BackpackerCars in der Offerte gleich mitangeboten. Die Produkte stammten fast ausschliesslich von Kings Adventure. Die Produkte sind in den eigenen Geschäften viel günstiger als wir diese bei BackpackerCars erworben haben. Leider sind nicht alle Gegenstände von der Qualität her für eine lange Reise geeignet und bei gewissen Produktedetails unterscheiden sie sich stark von den teureren Konkurrenzprodukten. Doch nicht alles war von schlechter Qualität; nebst der Kompressor-Kühlbox war auch das Dachzelt das Geld wert und überzeugte uns. Die anderen Produkte hatten einen «Wochenend-Durchschnitt» und mussten unterwegs öfters repariert oder nachgebessert werden. Wir mussten auch noch viele Sachen später dazu kaufen, damit es für unsere Bedürfnisse stimmte.
Die meiste Ausrüstung wurde vor unserer Ankunft in Australien von BackpackerCars gekauft und montiert. An dieser Stelle möchte ich (Tom) anmerken, dass vieles nicht gut oder gar unbrauchbar installiert wurde. Sie schraubten die gewünschten Dinge irgendwie an, ohne auf ihre richtige Funktionalität hin zu überprüfen. Dank handwerklichem Geschick meinerseits hatten wir am ersten Regentag keine Probleme mit der Markise. Und die gekaufte Akku-Bohrmaschine mit einem Schraubenset waren oft das Wunder des täglichen Lebens; viele Dinge lösten sich oder vielen einfach ab. Ohne einer richtigen Wiedermontage wäre einiges nicht mehr so nutzbar gewesen wie wir dies gewünscht hätten.
Nachträglich würden wir einiges anders machen. Vielleicht nur ein Auto kaufen und alles andere in Australien selbst besorgen. Für Outdoor-Abenteuer hat man in Down-Under ein regelrechtes Paradies an Läden; in Europa kann man von der Vielfalt als auch den Preisen nur träumen. Wichtig wäre hier jedoch zu erwähnen, dass die Selbstbesorgung und Montage eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen würden. Bei Fragen diesbezüglich stehen wir allen zukünftigen Australienreisenden zur Verfügung. Wir geben unsere Erfahrungen gerne weiter.

Chantal und Tom/Juni 2026

Toyota Land Cruiser Prado 120, Jahrgang 2003

Campingausrüstung (Dachzelt, Markise, Kühlbox)