Cape York

>Bilder ganz unten!

….ganz in den Norden von Australien
In Cairns bereiteten wir uns für den nächsten Höhepunkt unserer Reise vor. Ab hier gibt es nicht mehr viele Möglichkeiten, sein Fahrzeug und die Ausrüstung zu ergänzen. Wir deckten uns mit allen möglichen Dingen ein, die wir, so unsere Überlegung, dort im Urwald brauchen. könnten. Auf der Wunschliste stand der alte Telegraph Track.

Gleich nach Cairns verliessen wir den Cook Highway und geniessten ein Nebenweg in der Macalister Range. Erneut eine grosse Überraschung: Nebst dem dichten Urwald werden entlang dieses Bergzuges riesige Gebiete kommerziell abgeholzt und hinterlassen einen entsprechend erschreckenden Eindruck. Beim nächsten grossen Waldgebiet hätten ohne den hartnäckigen Widerstand der Umweltschützer auch die Motorsägen das Sagen gehabt; heute erstreckt sich der Daintree- und Ngalba Bulal Nationalpark (N.P.) über eine Fläche, vom Meer bis weit ins Hinterland und ist ein touristischer Hotspot.

Bis zum Cape Tribulation war die Strasse gut ausgebaut, viel touristische Infrastruktur und entsprechendes Verkehrsaufkommen. Trotz der kurvigen Strasse schleppten an diesem Sonntag die Australier meist noch einen Wohnwagen mit und sorgten teilweise für haarsträubende Situationen. Ab dem Cape Tribulation war es entspannter, da die meisten die Gravelstasse mit den Wasserdurchfahrten meiden. Bis Cooktown waren wir fast alleine unterwegs.

In Cooktown entdeckte ich die Wakooka Road, die fast zum Cape Melville führt und uns viel Abenteuer fernab der Hauptroute versprach. Zu Beginn war die Strasse, oder wie Chantal immer wieder sagt «Piste», zum Fahren angenehm. Doch wie weiter weg wir von der Zivilisation kamen, desto einsamer wurde es. Der Weg änderte sich plötzlich schlagartig und stellenweise holperten wir im Schritttempo durch den Wald. Menschen sahen wir in den zwei Tagen dieser Durchquerung keine, nur ein paar Rinder guckten uns etwas verwirrt an. Nebst der interessanten Vogelwelt hüpften abends ein paar Kängurus durch den offenen Wald. Ausser Stille war wirklich nichts!

Nach dem Einmünden in die vom Lakefield N.P. herkommende Strasse, nein die Piste, war es wieder angenehmer zum Fahren und bis zur Peninsula Delelopmental Road konnten wir endlich wieder einmal mehr als nur Schritttempo fahren. Ab Coen heisst dann die Strasse Telegraph Road. Der ursprüngliche Track wurde durch eine neue Strasse ersetzt und folgt bei wenigen Abschnitten über neue Wegabschnitte, die vermutlich bei der Regenzeit eher abtrocknen als der ursprüngliche Streckenverlauf entlang der ehemaligen Telefonleitung. Die Strasse ist zwar sehr breit, doch der schnelle Verkehr belastet die unbefestigte Strasse extrem und über weite Distanzen ist das Wellenblech mehr als nur nerventötend. Entweder holpert man mit 25 km/h von Hügel zu Hügel oder man brettert mit 100 km/h über die Vertiefungen hinweg und hofft, dass das Auto diese Tortour aushält und abends noch alle Schrauben festsitzen.

In Bramwell Roadhouse wagten wir uns auf den alten Telegraph Track und ich (Tom) freute mich riesig auf diesen Weg. Schlussendlich sollte unser Auto diese Strecke meistern können. Doch nach 5 Kilometer war Schluss. Die Durchquerung des Palm Creek war das erste Hindernis, wo die vielen Offroader die Abfahrt in einen Acker verwandelten und sehr tiefe Rinnen hinterliessen. Die Fahrt hinunter zum Bach hätten wir sicher geschafft, doch irgendwie geht es auf der anderen Seite wieder hinauf und diesen Abschnitt fanden wir nirgends, so dass wir – oder ich (Tom) – zähneknirschend die Rückfahrt antraten. Weiter nördlich sollte es einen Zwischeneinstieg geben und mehrere Campmöglichkeiten an den Flussläufen.

So huschten wir wieder viele Kilometer über die Hauptverbindung bis zu dem besagten Zwischeneinstieg. Doch bei dieser Zufahrt zum Telegraph Track drehten wir nach der halben Distanz um; das Wellenblech war abscheulich und zermürbend zugleich. Nach einer weiteren Nacht auf einer windigen Anhöhe, wo der erfrischende Wind für angenehme Temperaturen sorgte, erreichten wir den gebuchten Campingplatz im Jardine River N.P. Die Zufahrt führte 12 Km über den stark ausgewaschenen Telegraph Track. Doch wenn man sieht, dass die Australier mit ihren Wohnwagen diesen Campingplatz aufsuchen, ist es kaum verwunderlich, dass ihre super starken Zugfahrzeuge den Weg komplett umpflügen.

Wir buchten dieses Camp für 2 Nächte und wollten uns in den Pools bei den Wasserfällen von Eliot und Twins erfrischen. Doch die omnipräsenten Warnschilder, dass sich Krokodile in den Gewässern aufhalten könnten, hielt uns vom Badespass ab. Zu unserer Verwunderung: Die Australier umgehen diese Schilder und geniessen das erfrischende Wasser. Up’s! Auch wie sie durch den Urwald schlendern; in Flipp-Flops und Shorts, obwohl überall auf die kriechenden Reptilien aufmerksam gemacht wird. Bis zur nächsten medizinischen Versorgung liegen mehrere Stunden Autofahrt!

Infolge der fast unerträglichen Hitze verkürzten wir unseren Aufenthalt auf eine Nacht. Auch war der Campingplatz nicht sonderlich einladend. Alles war irgendwie verschmutzt und die Toiletten das Schlimmste, was wir bisher in Australien gesehen haben. Der Folgetag brachte auch leichten Regen und so waren wir froh, unsere Fahrt fortzusetzten. Wir folgten diesmal den Spuren des Telegraph Tracks in nördlicher Richtung, wir waren aber nicht die einzigen, die diesen Track unter ihre Räder nahmen.

Der Weg war eigentlich nur bei den Flussquerungen herausfordernd; steil hinunter und auf der anderen Seite entsprechend hoch. Auch hier entsprechende Auswaschungen und tiefe Spurrinnen von Schwerstarbeit mit den ultrastarken Offroadern. Meist gab es jedoch irgendwelche Umfahrungen und die Hochfahrten konnten wir irgendwie mit unserer Limousine meistern. Das Aufsetzen des Fahrzeuges irgendwo auf der Unterseite war irgendwie normal. Selbst bei den höher gelegten Fahrzeugen schepperte es und mit entsprechendem Grinsen wurde dies vom jeweiligen Fahrer erwidert. Wir wunderten uns erneut, wie die Australier die Streckenabschnitte vorgängig inspizieren; in Flipp-Flops und Shorts und dies mitten im feucht-warmen Dschungel.

Der Regen wurde immer heftiger und eine Querausstieg zur Hauptpiste ermöglichte uns aus dem Abenteuer auszusteigen und es war gut so. Nach der Fährüberfahrt über den Jardine River, wo ein astronomisch hoher Betrag für die 25 Meter Strecke verlangt wird, suchten wir den Nordausstieg des Telegraph Track auf. Es war gut, dass wir den Querausstieg nutzten, da die Furte durch den Jardine River gesperrt war; zu hoher Wasserstand und nicht einschätzbare Vertiefungen im Wasser, was bei einzelnen Fahrzeugen verhängnisvoll enden könnte. Bei dieser Besichtigungstour versenkten wir bei der Zufahrt ebenfalls unseren Prado im einem Schlammloch, so dass nur mit der Seilwinde die Weiterfahrt möglich war.

Das Wetter klarte erneut auf und der Moment war günstig, gleich über die Pajinka Road hinaus zum Cape York zu fahren. Viele, ja sehr viele fuhren dort hinaus zum Wendepunkt, doch die wenigsten unternehmen die Wanderung zum Cap selbst. Vermutlich zu warm, zu windig oder einfach zu gefährlich, da der Wanderweg nicht in den Flipp-Flops zu bewältigen ist. Ich (Tom) schnürte die Schuhe und schon kletterte ich über den steinigen Hügelrücken zum Cape York, den nördlichsten Punkt des australischen Kontinents.

Wir suchten für die kommende Nacht einen Platz an der Narau Beach und blieben erneut im tiefen Sand stecken. Statt Seilwinde oder Sandbleche senkten wir die Reifenluft auf 1,2 Bar ab und siehe da, dieses Wundermittel wirkte als wären wir auf einer normalen Strasse unterwegs. Beim nächsten Platz waren wir relativ nahe am Meer und die zunehmende Gisst bei einsetzender Flut liess eine feine Salzschicht auf unser Auto nieder. Wegen des zunehmenden starken Windes wechselten wir spät abends den Platz zur Somerset Beach, wo die umliegenden Bäume und die Lage etwas Windschutz gaben.

Bei der Rückfahrt nach Bamaga viel uns der ganze Touristenrummel erstmals so richtig auf. Vielleicht lag es auch daran, dass das nahende Wochenende für Mehrverkehr sorgte. Im Zentrum von Bamaga mussten wir unsere Vorräte ergänzen und den Tank auffüllen. Der Benzinpreis erreicht hier draussen im äussersten Zipfel beinahe europäisches Preisniveau und Diesel gab es keinen; vielleicht erst wieder nächste Woche!

Nach der Übersetzung des Jardine Rivers folgten wir in zügiger Fahrt wieder in südlicher Richtung. Die unbefestigte Strasse war bei diesem Abschnitt in relativ gutem Zustand und die Strapazen fürs Auto entsprechend geringer. Beim Südabschnitt des alten Telegraph Tracks wollten wir, oder war es mehr ich (Tom) noch einmal einsteigen. Reisende mit einem vergleichbaren Fahrzeug bestätigten mir, dass der Track fahrbar sei und mich (Tom) juckte es sehr, diesen Track wenigstens auf dem Südabschnitt zu befahren. Es folgte eine lange Diskussion unsererseits; Chantal war eher oder fast komplett dagegen und verweigerte die Teilnahme an allfälligen Bergungsarbeiten usw., was mir fast keine andere Wahl übrigliess. Erneutes umdrehen und zurück auf die gut ausgebaute Hauptpiste. Im Hinterkopf hatte ich bereits ein anderes Projekt, wo ich mit einer Gruppe einen anderen Track befahren könnte und weihte Chantal beim abendlichen Camp über dieses Wunschvorhaben ein.

Weiter südlich von Coen drehten wir nach Südwesten ab und folgten einem einsamen Weg durch offene Waldflächen, wo wenige Rinderzüchter ihre Tiere durch die weite Landschaft trieben. Obwohl im Osten die ersten starken Regenfälle nieder gingen, war die Piste noch offen; auf einem Streckenabschnitt von rund 100 Kilometer sind während den Niederschlägen oft gewisse Furten für mehrere Tage unpassierbar. Bei den aufgestellten Schildern mit den Höhenangaben konnten wir die jeweiligen Höhen oft ablesen und die höchste Zahl, die wir entdeckten war 12 Meter. Bei dieser Höhe würde unser Schnorchel wohl auch nicht mehr ausreichen!

Beim Mitchell River standen grosse Baumaschinen und unser Weg war für die Weiterfahrt gesperrt; es wird ein grosser Damm gebaut und zwang uns zu einer weiten Umfahrung, d.h. 250 zusätzliche Kilometer und dies bei halb leerem Tank. Die nächste Tankmöglichkeit befand sich 300 Kilometer Luftlinie entfernt, ohne den zu befahrenen Umweg. Tja, in Australien sollte man bei jeder Möglichkeit volltanken und die letzte Tankstelle liessen wir links liegen; wegen 25 Liter stoppten wir nicht.

Bis Karumba war im Tank nicht mehr sonderlich viel Sprit vorhanden und bei einer weiteren Umleitung hätte die Fahrt vermutlich mit einem ausgetrockneten Tank geendet. In Karumba gab es den begehrten Saft und eine Nacht auf dem Campingplatz, wo man die Brandung des Meeres hören sollte. Vom Meeresrauschen hörten wir nichts, dafür die lauten Trucks, die mit heulenden Motoren durch den kleinen Ort donnerten.

Da unser Auto einen Service benötigte, in Australien wird alle 10’000 Kilometer das Motorenöl getauscht, begaben wir uns nach Normanton, wo es eine mögliche Servicestelle gab. Doch für diesen Tag hatten sie bereits alle möglichen Termine verplant und wir wollten nicht in diesem Ort längere Zeit bleiben; es war bereits am Vormittag heiss und kein Wind bliess über die weite Ebene. In Mount Isa wird es sicher mehr Möglichkeiten geben, wo irgendeine Werkstatt den Service machen kann, und die 600 Kilometer werden dem Auto kaum schaden.

Die Burke-Strasse war rückblickend sehr eintönig und eher Pflicht als Kür. Lange war es nur flach, gesäumt von unendlich weiten Weideflächen wo abertausende Rinder durchs trockene Gras gingen und frassen. Erst kurz vor unserem Zielort folgten wir wieder einem ungeteerten weg nach Kajabbi. Dort übernachteten wir gratis im Garten eines Pups und als pflichtbewusste Reisende kochten wir an diesem Abend nicht selbst, sondern genossen die einfache Küche dieser Gaststätte. Statt Wein genoss ich (Tom) ein Bier, das das Beste vom Cape sein sollte. Tja, die Geschmäcker sind manchmal sehr unterschiedlich!

Bis Mount Isa nutzten wir die Lake Julius Road, eine Piste, die durch eine wunderbare Hügellandschaft führte und erreichten am Ende des Vormittags unser Zielort. Sofort steuerten wir die Markenwerkstatt an und waren erstaunt, dass wir für den Folgetag einen Termin für den Fahrzeugservice erhielten. So wäre unser Auto für die nächsten 10’000 Kilometer durchs Outback und ins australische Zentrum wieder bestens gerüstet.

Alice Springs wäre unser nächstes grosses Ziel; doch der Weg dorthin ist noch weit und die Strassen staubig.