Dem australischen Endziel entgegen…

>Bilder ganz unten!

….die letzten Kilometer rund um Sydney herum
Ja, auf der Bergkette der Liverpool Range konnten wir uns an die neuen klimatischen Bedingungen gewöhnen; nach grosser Wärme und fast unerträglicher Hitze war es plötzlich frisch. Nachts kühlte es bereits auf den unteren einstelligen Bereich ab. Das Pünktchen auf dem «i» waren die verschiedenen Schlechtwetterfronten aus östlicher Richtung, die doch einiges an Feuchtigkeit brachten. Auf einen Tag Sonnenschein folgten drei Tage mit dichten Wolken und Niederschlägen.

Schon bei der Wegfahrt von der Liverpool Range erfreuten wir uns der wärmenden Sonne. Doch weiter östlich zogen dichte Wolken auf und leichter Regen liess unser nächstes Camp am Glenbawn-See zur nächsten Herausforderung werden. Dank dem wärmenden Feuer trotzten wir dem kalten Wind und genossen die einmalige Landschaft am See. Dass wir gleich zwei Nächte dort verbringen würden, dachten wir am ersten Abend nicht. Der nötige Autoservice im Nachbarort brauchte etwas mehr Zeit und so gab es eine extra Nacht im weitläufigen Campingplatz, wo die Kängurus gleich vor dem Auto vorbei hüpften und uns verwundert begutachteten.

Westlich von Sydney, d.h. entlang der grossen Wasserscheide liegen unzählige zusammenhängende Nationalparks, die als Greater Blue Mountains Area mehr als 10’000 km² Schutzgebiet umfassen und keine grossen Verkehrsachsen aufweisen. So tasteten wir uns über die Westseite an dieses Gebiet heran und blieben vorerst vor grossen Niederschlägen verschont. Wegen der australischen Jahreszeit mussten wir jedoch unsere täglichen Reisezeiten stark einschränken. Um spätesten 4 Uhr wollten wir unbedingt auf unserem Campplatz sein, da es bereits um fünf dunkel wurde. Nachts einen geeigneten Platz im Gelände finden; nein, dazu hatten wir keine Lust.

An einem verregneten Tag erreichten wir endlich das touristische Herzstück der Blue Mountains und guckten mit vielen anderen Touristen von der Aussichtsplattform in die weisse Nebelfront; Regen und dichter Nebel verunmöglichte die Sicht auf die drei Schwestern, geschweige vom Tiefblick in die umliegenden Schluchten. Trotz dieser Wettersituation wurden die Touristen – mehrheitlich asiatische Menschen – busweise zu den entsprechenden Aussichtspunkten gefahren.

Da wir an kein Programm gebunden waren, verweilten wir eine weitere Nacht in einer nahe gelegenen Schlucht. Am Folgetag durften wir von den gleichen Aussichtspunkten um Katoomba die begehrten Sehenswürdigkeit bestaunen. Doch ehrlich gesagt; die Aussies können ihre Gegend wirklich gut vermarkten; bei den drei Schwestern bekamen wir beinahe einen Lachkrampf. Ja, die Gegend ist wirklich sehr schön und sehenswert, doch für so etwas um die halbe Welt zu reisen; das Marketing muss wirklich gut sein!

Bis zu unserem Termin bei BackpackerCars in Sydney, die unseren Toyota zurückkaufen werden, hatten wir noch ein paar Tage Zeit. So erkundeten wir das nordöstlich liegende Schutzgebiet und das grosse Weinanbaugebiet um Cessnock. Bei den vielen Weingütern könnte man viele Tage verbringen und von einer Degustation zur nächsten fahren, doch Achtung, auch die Polizei kennt die Orte und mit einer Blasprobe muss jederzeit gerechnet werden. Wir widersetzten uns der Lust der Versuchung und liessen es bei Einkäufen. 😊

Ab Newcastle folgten wir diesmal dem Pacific Highway und waren überrascht, dass trotz der Nebensaison und wirklich schlechtem Wetter sehr viele Touristen unterwegs waren. Entgegen unserer Erwartung sind die unterschiedlichen Küstenabschnitte, ausser wo irgendein Schutzgebiet liegt, sehr dicht bebaut und die jeweiligen Orte vermarkten sich wirklich gut. So bald die Sonne hinter den Regenwolken hervor kam, schon bewegten sich die Menschenmassen aus ihren Häusern hinaus in die Landschaft und ans Meer. Beim Leuchtturm von Norahville wollte ich für ein Foto hinunter zu den, von der Ebbe freigelegten Felsen gehen, doch schon wurde ich (Tom) von einer Person angesprochen, dass ich hier eine Schwimmweste tragen müsse. Jedenfalls musste ich die Person sehr verwundert angeschaut haben; er lachte, drehte sich um und suchte das Weite. Nach einem weiteren Blick auf die Felsen und deren Klippen… Vielleicht hatte er nicht ganz unrecht und Schwimmwesten stehen ja zur Verfügung.

Statt über Klippen zu stolpern und ins Wasser zu stürzen, besuchten wir einen Reptilienpark, wo als Hauptgeschäft das Schlangengift für die Serumproduktion gewonnen wird. Zwar konnten wir bei einem solchen «Melkvorgang» nicht beiwohnen, doch schon die Anblicke der vielen Giftschlagen als auch Giftspinnen waren entsprechend furchteinflössend. Der restliche Park war nebst den Alligatoren und Krokodilen mehr ein Streichelzoo und für Familien mit Kindern eine Ausflugsattraktion. Es war auch wieder einmal ein Ort, wo wir uns gegenseitig fragten, ob hier in Australien nicht alle Kinder in die Schule gehen.

Die Überprüfung unseres Autos in Sydney war zeitlich eine kurze Sache, doch die anschliessende Offerte des Rückswert war für mich (Tom) eine kleine finanzielle Enttäuschung. Ja, wir fuhren über 60’000Km in 10 Monaten und schonten den Prado nicht immer. Doch irgendwie bin ich von Toyota und von BackpackerCars etwas enttäuscht. Wohl ist Toyota nicht besser als die anderen Autohersteller und die Vermittlungsfirma ist plötzlich nicht mehr so easy drauf. Jedenfalls tilgt der Kostenvoranschlag für die nötigen Reparaturen den grössten Teil des Verkaufserlös und das zusätzlich investierte Geld für die Ausrüstung scheint verloren zu sein.

Mit einer gewissen Enttäuschung verliessen wir Sydney in südlicher Richtung für die letzte kurze Runde. Wir wollten noch unseren Kreis um Australien endgültig schliessen. Nach dem Starkregen auf dem Campingplatz in Sydney mussten wir vorerst einmal unsere Ausrüstung wie Dachzelt und Regenplanen trocknen. Der folgende Sonnentag bot uns eine kurze Gelegenheit, eh der strahlblaue Himmel wieder von dichten Wolken verdeckt wurde.

Genau südlich von Sydney liegt der älteste Nationalpark von Australien und bei schönem Wetter wird der Park von Besuchern stark frequentiert. Die möglichen Campmöglichkeiten sind ebenfalls gut belegt, entsprechend teuer und zu unserer Enttäuschen darf man abends kein Feuer machen. So folgten wir unserem Weg weiter über den Pacific Highway in südlicher Richtung nach Kangaroo Valley, wo wir am Rande des Morton Nationalpark einen günstigen Stellplatz fanden. Bei der Einfahrt stand zu unserer Enttäuschung ein grosses Feuerverbotsschild, so dass der Abend und die Nacht zur Schlotterparty wurde.

Unsere getrocknete Campausrüstung war nach dieser Nacht erneut komplett durchfeuchtet. Irgendwie zerrte diese ganze Situation an unseren Nerven. In einem solchen Moment braucht es dann nur ein falsches Wort und schon war die Stimmung im Keller! ☹

Dafür brachte der neue Tag wieder viele neue Überraschungen. Nebst des Pacific Highway mit all seinen Abstechern zum Meer fanden wir für die folgende Nacht einen absolut einsamen Campplatz im Monga Nationalpark. Für 6 $ hatten wir den Platz für uns alleine, sassen lange am Feuer und lauschten dem Bach. Solche Momente sind unvergesslich!

Für unseren Weiterweg ging es ein kurzes Wegstück an den Pacific Highway zurück und weiter südwärts einem weiteren Zwischenziel – dem Schliessen unserer Runde – entgegen. In Bodalla verliessen wir endgültig die Küstenstrasse und erkundeten die weiten Wälder an der Ostseite von Australien. Nach fast hundert Kilometer standen wir vor einem gesperrten Weg; wegen Bauarbeiten und Wegerneuerung ist jede Durchfahrt verboten, lokaler Verkehr ausgenommen. Zurückfahren oder die letzten Kilometer einmal zu Fuss erkunden? Ich (Tom) erkundete den Weg bis zur nächsten Hauptverbindung und siehe da; keine Bauarbeiten noch sonst irgendein Hindernis im Weg. Vermutlich war den Bauarbeitern der Feierabend am Vortag wichtiger als möglicher Durchgangsverkehr am Samstag und so blieben die Absperrungen einseitig bestehen.

Nun schloss sich endlich unsere grosse Runde und im Wadbilliga Nationalpark suchten wir einen Campplatz auf, wo wir bereits im letzten australischen Sommer waren. Doch diesmal war alles anders und zu unserer Überraschung war dort eine Bauequipe, die die Waldwege neu planierte und ausbesserte. Wir sassen bereits am Feuer, als sie mit ihren schweren Geräten zurückkamen. Zu unserer Überraschung suchte der Vorarbeiter das Gespräch mit uns und entschuldigte sich wegen den Unannehmlichkeiten. Auch frage er uns nach unseren Absichten der Weiterfahrt. Irgendwie gab er uns zu verstehen, dass der Weg in unserer geplanten Richtung eventuell etwas schwieriger sein könnte, da die Nässe als auch ihre Arbeiten die Fahrbahn zu einem Schlammparcours verwandelte; aber es könnte sicher gehen.

Mit dieser Information ging es anderntags weiter über den nächsten Übergang. Der Weg der Bergflanke entlang war wie angekündigt sehr rutschig und wir bewegten uns mit äusserster Vorsicht bergwärts. Dank den neuen Reifen mit mehr Profil schafften wir den ersten Teil der Strecke problemlos. Doch wie am Vortag; die letzten hundert Meter forderte uns komplett heraus und nur mit der Seilwinde war die letzte Steigung zu überwinden. Gottseidank gab es überall massive Bäume! Doch selbst unser Toyota war am Limit und der lange Einsatz der Seilwinde liess plötzlich den Motor absterben. Die erlebte Situation liess selbst mich (Tom) in eine gewisse Schockstarre versetzen. In einer solchen Lage ohne laufenden Motor und leerer Batterie; der Supergau im tiefen verregneten Wald. Dank dem Startbooster konnten wir den Motor nach einiger Zeit wieder starten und unsere Windenarbeite mit etwas erhöhter Motorendrehzahl zu Ende bringen.

Mit grosser Erleichterung erreichten wir das Hochplateau und waren froh, diese Schlammpartie hinter uns zu haben; das Auto als auch wir waren von den Strapazen gezeichnet und der Schmutz war überall präsent. Chantal bat mich jedenfalls, nicht mehr solche Strecken zu planen noch zu fahren. Diesen Wunsch erfüllte ich ihr auch sofort und plante keine Strecken mehr, wo wir schon im Voraus wussten, dass wir im Schlamm stecken bleiben werden. So folgten wir schon brav den gut ausgebauten Verkehrswegen – geteert oder Schotterstrassen.

Wieder folgten wir auf der Westseite des östlichen Gebirgszuges durch weite Waldgebiete und ländlichen Gegenden, wo Schaf- und Rinderzucht betrieben werden. Aber auch der lokale Tourismus spielt in dieser Gegend eine wichtige Rolle. Braidwood zeigte sich uns im schönsten Gewand und viele Menschen genossen die wärmende Sonne auf der Gartenterrasse eines der vielen Kaffees im Städtchen. Für australische Verhältnisse sucht dieser Ort seinesgleichen; alles fein herausgeputzt und sehr einladend.

Über Goulburn steuerten wir erneut Katoomba entgegen und suchten einen uns bekannten Stellplatz für die kommende Nacht auf. Unsere Priorität lag bei diesem nass-kalten Wetter immer für einen Campplatz, wo man sicher ein Feuer entfachen konnte. Doch Australien wäre nicht Australien; auch bei dieser Tagesetappe mussten wir bei einer Strassensperrung x-Kilometer Umweg fahren um ans Ziel zu gelangen. Auch selbst im abgeschiedenen Megalong Valley gab es direkt neben dem Stellplatz eine Baustelle, bei der rund um die Uhr ein Generator für Dauerbeleuchtung sorgte. Es war wirklich «mega»!

Nach der fast schlaflosen Nacht durften wir anderntags die drei Schwestern mit Nebelmeer erleben, bevor wir hinunter in den Grossraum Sydney fuhren. Doch bevor wir zum Endspurt übergingen, stoppten wir in einem einsamen Campground der Blue Mountains und verbrachten die letzte Nacht in fast absoluter Stille. Der früh morgens einsetzende Regen prasselte bald auf unser Dachzelt und liess unsere Ausrüstung erneut nass werden.

Für die letzten Tage in Sydney buchten wir ein Bungalow, wo wir unsere Rückreise, bzw. Weiterreise über Kanada nach Europa entsprechend vorbereiten konnten. Vieles musste noch erledigt werden und wir organisierten noch einen kleinen Flohmarkt, wo wir all unsere erworbenen Dinge weiterverkaufen wollten. Leider blieb es eher bei wollten; die angekündigten und möglichen Käufer blieben aus oder sie wollten fast noch eine Entschädigung fürs abnehmen unserer Gegenstände. Tja, manchmal spielt das Leben verrückt; doch bei den günstigen Preisen in den Handelsgeschäften verstehe ich vielleicht auch die möglichen Abnehmer. Hier in Australien sind die Outdoor-Gegenstände extrem günstig, doch verschenken wollten wir unsere sieben Sachen auch nicht.

Als Abschluss gönnten wir uns einen touristischen Event in Sydney; das Lichterspektakel lockte auch uns auf eine abendliche Hafenrundfahrt. Mit einem Feuerwerk wurden wir begrüsst, mit vielen Lichteffekten durchs Hafenbecken und deren Bucht wurden wir optisch verwöhnt. Das abschiessende Feuerwerk bei der Rückkehr war fast wie ein Abschiedsgeschenk.

Der Tag unserer Rückreise rückte immer näher. Unser Toyota reinigten wir peinlichst genau und hoffen, dass BachpackerCars diesen willig entgegennimmt. Viele Gegenstände konnten wir noch in wenigen Tagen zuvor verkaufen, der Rest geht gratis an die Firma, die uns alles vor 10 Monaten verkaufte; Verlust, aber was soll es.

Der 3. Juni ist da; Fahrt zu BackpackerCars und Abgabe des Autos. Irgendwie schmerz es – 10 Monate war dieser Prado unser treuer Begleiter und, bis auf wenige Probleme, war er immer unser zuverlässiger Partner im australischen Outback. Durstig war er, aber ohne zu murren folgte er unseren Steuerbefehlen über Geröll und Sand. Wir forderten ihn manchmal über sein Limit und dachten, Allrad sei eben Allrad und versumpften im Morast. Der rettende Anker war immer wieder die Seilwinde bis die Batterie leer war und der Motor abstarb. Nein, wir schonten diesen Prado wirklich nicht, trotzdem blieb er uns immer treu und verrichtete seinen Dienst!

Der Abschied war kurz und schon düsten wir mit einem Uber davon; gewisse Gedanken blieben zurück, doch der Blick richtete sich nach vorne und den neuen ungewissen Abenteuern. Schon beim online Check-In vermasselte ich (Tom) dermassen viel, dass wir viel früher am Flughafen sein mussten als geplant. Hoffentlich müssen wir nicht hier in Australien für alle Ewigkeiten bleiben und einen Asylantrag stellen, Chantal wäre von diesen Gedanken ganz und gar nicht erfreut!

Chantal und Tom/Anfangs Juni 2026