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…von Albany nach Perth
Die Reparatur in Albany dauerte etwas länger als von uns eingeplant und schlussendlich waren wir von der Werkstatt etwas enttäuscht. Oder war es eher unsere «Mechanic Warrenty», die wir von unserem Autoausrüster in Sydney für viele Dollars erhielten? Das System der Garantieübernahme habe ich immer noch nicht ganz begriffen und diese schliesst so ziemlich alles aus. Simmerringe und elektrische Verbindungen sind ausgeschlossen und wir fragten uns bald einmal, ob diese Versicherung eine reine Augenwischerei für den Kunden ist.
Nach langem Hin und Her erhielten wir unser Auto aus der Reparatur zurück. Vorne, am Frontdifferenzial sollte nun wieder alles dicht sein. Das Startproblem beim warmen Motor konnte die Werkstatt nicht beheben. Sie wollten die Benzinpumpe ersetzen, was zwar von unserer Versicherung übernommen würde, doch, so vermute ich, dass das Problem irgendwo anders steckt. In der Zwischenzeit weiss ich auch, wie ich den Motor in warmen Zustand starten kann. Es war Zeit, dass wir unsere Fahrt endlich fortsetzen konnten und waren froh, Albany endlich hinter uns zu lassen.
Die Südküste bis nach Augusta bietet sehr viele und lohnenswerte Ziele, die jeder – oder fast jeder – Tourist anfahren muss oder sollte. Auch wir waren ein Teil dieser Herde und folgten den entsprechenden Wegweisern oder den Empfehlungen der entsprechenden Reiseführer. Obwohl viele Leute bei den jeweiligen Punkten anwesend waren, genossen wir das Erlebte. Zwar konnten wir bereits in Tasmanien an riesigen Bäumen emporblicken, doch auch hier waren die Baumriesen immer wieder ein Bestaunen und ein kurzes Innehalten wert. Diese Bäume sind oft über 400 Jahre alt – als wir Europäer noch nicht einmal wussten wo Australien lag.
Die unzähligen Nationalparks entlang der Küste, wo ein Park auf den nächsten folgt, lockten uns immer wieder für weite Fahrten an die Küste. Es waren auch immer wieder Wege, die ein gewisses Abenteuer garantierten und im Sand stecken bleiben war uns mehrmals sicher. Dafür waren die angefahrenen Übernachtungsorte wunderbare Oasen mitten in der Busch- und Eukalyptuslandschaft.
Stellenweise gibt es wunderbare Badebuchten, oder Pools zwischen den Steinbrocken und auch die Aussies kennen diese Plätze. An Wochenenden sind die Campingplätze in den Nationalparks sehr begehrt und wer sich spät um einen möglichen Platz bemüht, der hat oft das Nachsehen. Für uns Europäer auch etwas gewöhnungsbedürftig; vieles ist in den Parks erlaubt, d.h. auf dem Wegnetz darf man mit einem motorisierten Fahrzeug herumfahren und auch Fahrten am Strand sind hier keine verbotene Sache. Jedenfalls dröhnen die V6 oder V8 an den Wochenenden munter in und um die Sanddünen herum. Ja, die kleinen Jungs im Manne!
Die Südwestecke um Augusta und Margaret River sind wahrliche Touristenhotspots. Das schöne Wetter genossen nicht nur wir; überall waren viele Leute bei den entsprechenden Sehenswürdigkeiten. Nebst Meer, Buschlandschaft und Eukalyptuswäldern locken die unzähligen Höhlen für einen Kurzbesuch. Das Karstgebirge war die Grundlage für viele Dolinen und unterirdische Höhlensysteme, die man heute für entsprechende Dollars besuchen darf.
Uns gefiel diese Landschaft an der südwestlichen Ecke von Westaustralien, so dass wir gleich mehrere Tage dort verbrachten. Es gab so viele Dinge zum Bestaunen und erleben. Selbst die Surfer, die im indischen Ozean auf ihre Welle warteten oder die unzähligen japanischen Buspassagiere, die in ihren leichten Schuhen über irgendwelche Steine kletterten. Es war spannend!
Weniger Spannend waren aber die Online-Reservationen der jeweiligen Campplätze in den Nationalparks. Für eine solche Reservation war nebst einem ausreichenden mobilen Telefonnetz viel Geduld erforderlich. Seit Juni 2025 sind – Schritt für Schritt – alle Buchungen nur noch Online möglich, doch das System stand bei unseren Buchungsversuchen oft an seiner Grenze und die Wartezeit strapazierte unsere Nerven mehrmals. Mitternachts wäre eine Buchung eine leichte Sache, doch dann sollten wir eigentlich schon längst wissen, wo wir unser Auto parken dürfen um uns unter die warme Decke verkriechen zu können. Die Alternative wären nebst den Campingmöglichkeiten in den Nationalparks die vielen privaten Anbietern. Doch diese sind meist das drei bis vierfach teurer und dort steht man Fahrzeug an Fahrzeug; Massenabfertigung pur (…Spruch von Chantal)!
Bis Perth war es aus australischer Sicht nur noch ein Katzensprung und dort richteten wir uns wieder einmal für ein paar Tage ein. Nebst der Wäsche mussten wir noch weitere Dinge erledigen, die in einer Grossstadt besser zu tätigen sind. Selbstverständlich durfte die Stadtbesichtigung als auch eine Fahrt auf dem Swan-River nicht fehlen. Zu unserer Überraschung gefiel uns Perth sofort; diese moderne Stadt hat irgendwie einen Zauber, der uns gleich in den Bann nahm. Ob es nur am schönen Wetter oder an der ruhigen Stimmung in und um die Stadt lag; wir wissen es nicht.
In Perth besuchten wir auch die Niederlassung von Backpacker-Cars, die uns in Sydney das Auto verkaufte. Wir wollten einmal ganz unverbindlich hallo sagen und ein Ratschlag für das Startproblem bei warmen Motor zu bekommen. Die Niederlassung in Perth funktioniert komplett anders als jene von Sydney und wir waren von der ersten Minute herzlich willkommen. Das Problem der Anlassfunktion konnten sie zwar nicht ganz zufriedenstellend lösen, dafür wurden weitere Wartungsarbeiten kurzfristig für uns erledigt und das Auto für die nächsten 10’000 km fit gemacht.
So hatten wir kurzfristig die Möglichkeit, in Fremantle den historischen Stadtteil zu erkunden und uns ein wenig in die dunkle Vergangenheit des britischen Empire zu vertiefen. Fremantle, das an der Mündung des Swan-River liegt, war bei der Besiedlung ein wichtiger Ort. 100’000 Gefangene wurden hierher Zwangsdeportiert. Die widerspenstige Urbevölkerung wurde von dem Empire stark dezimiert oder, die den Gewehrkugeln oder Messer entkamen, auf die Rottnest-Insel deportiert. Beim Vertiefen in diese jüngere Geschichte versteht man auch das heutige Verhalten der britischen Herrscherschicht und ihre Sicht auf das Weltgeschehen.
Nach dem Stadtrundgang in Fremantle durften wir wieder unser Auto entgegennehmen und kehrten der Agglomeration von Perth den Rücken. Wir hatten genug Stadt erlebt! Da erneut ein Wochenende vor uns lag und sämtliche Campmöglichkeiten am Meer oder in der näheren Umgebung von Perth ausgebucht waren, suchten wir im Avon-Valley einen ruhigen Platz im Wald auf. Wir freuten uns auf eine neue und ruhige Nacht.
Chantal und Tom/Februar 2026






































































































