Nordwärts…

>Bilder ganz unten!

… unser dritter Versuch Darwin zu erreichen
Unser Entscheid war wirklich goldrichtig; nebst ein bisschen Regen hatten wir in Dongara, rund 70 Km südlich von Geraldton, wirklich nichts! Wir waren fast ein wenig enttäuscht, dass wir dieses Naturspektakel vom Zylon Narelle nicht aus einer sicheren Unterkunft beobachten konnten. Am folgenden Tag waren die Strassen in Richtung Geraldton offen. Weiter nördlich von Geraldton als auch vom Süden, d.h. von Perth herkommend, waren alle Strassen gesperrt. Etwas erleichtert fuhren wir los und immer hoffend, dass die Sperrungen nördlich von Geraldton bald aufgehoben würden.

Der Verkehr auf der Strasse war ungewöhnlich ruhig und selbst in Geraldton herrschte kein geschäftiges Treiben. Im Supermarkt fehlten an diesem Tag einige Frischprodukte und für unsere Gasfüllung mussten wir verschiedene Abfüller anfahren, bis wir unsere 4 Kg-Propangas erhielten. Zwischenzeitlich planten wir an unserer Weiterfahrt herum und fanden im Inland, d.h. rund 150 Km von der Küstenstrasse entfernt, einen Parallelweg, da diese immer noch gesperrt war. So setzten wir unsere Fahrt mit voller Zuversicht fort; irgendwie wird es schon gehen.

Über den Butchers Track erreichten wir unsere Parallelpiste. Um genügend Sprit im Tank zu haben, machten wir noch einen kurzen Umweg zur nächstgelegenen Zapfsäule, so dass unsere beiden Tanks richtig voll sind. Doch an diesem Roadshop gab es nur 50 Liter; es herrscht Krieg und aus dem Iran würde kein Oel mehr geliefert. Tja, auch diese 50 Liter stockten unseren Vorrat auf und so zogen wir weiter nordwärts durch das weite australische Outback.

Nach rund 120 Km war unsere zügige Fahrt an der Furt durch den Wooramel River vorbei; das Wasser war tief und die Strömung sehr stark. Alleine und mit dem Toyota hatten wir keine Chance ans andere Ufer zu gelangen. Mit solchen Überraschungen muss man nach starken Regenfällen im Outback rechnen. Gleich oberhalb der Furt fanden wir einen wunderbaren Übernachtungsplatz.

Am nächsten Tag – welch ein Zufall – fuhr ein Mitarbeiter der zuständigen Gemeinde (Shire) bei uns vorbei und erkundigte sich über unser Vorhaben. Er gab uns auch gleich noch viele wertvolle Informationen, so dass wir trotz der vielen überfluteten Wege doch unser nördliches Ziel erreichen könnten. Doch zu unserer Enttäuschung; in der weiträumigen Gegend wo wir uns gerade befanden, gab es nirgends eine Durchfahrt; weder ost- noch westwärts. Selbst der am Vortag gefahrene Butcher Track wurde inzwischen gesperrt. Wir hatten nur noch eine Option, die uns offenstand, d.h. über 300 km erneut nach Süden fahren, 150 Km östlich nach Mount Magnet und von dort weiter über den Great Northern Highway. Es war momentan die einzige Verbindung für den gesamten nordwärts fahrenden Verkehr, die noch offenstand; alle anderen Strassen waren unterbrochen.

Der Umweg war für uns schlussendlich wirklich weit und eher Pflicht als Kür. Riesige Roadtrains waren auf dem Great Northern Highway unterwegs und transportierten allmöglichen Rohstoffe zum nächsten Hafen. Bis 1978 gab es eine Eisenbahnverbindung von Geraldton über Mount Magnet nach Meekatharra. Vermutlich wurde zu jener Zeit der Bergbau stark reduziert, oder in der Zwischenzeit wird nach anderen Mineralien gegraben. Der Goldbergbau muss in dieser Gegend ebenfalls sehr lukrativ sein. Doch für die paar Kilogramm Gold und ein paar Tonnen Nickel braucht es vermutlich keine Eisenbahn mehr.

Die Strecke von Meekatharra in Richtung Newman zog sich sehr weit durch das australische Outback und noch vor Newman durchquerten wir einen Teil vom Little Sandy Desert. Doch welche Enttäuschung für uns; wir erwarteten irgendetwas wie Wüste mit kahlen Weiten und Sand oder Steine. Die Büsche und Bäume waren zwar etwas kleiner, aber die ganze Landschaft immer noch in einem saftigen Grün! Selbst die frei herumlaufenden Dromedare machten auf uns einen fast surrealen Eindruck!

Der Bergbauort Newman kündigte sich schon von Weiten an und überall entdeckten wir die Förderorte wo ganze Landschaften umgegraben werden. Das Eisenerz wird mit riesigen Schaufelbaggern im Tagebau abgetragen und mit überlangen Zügen nach Port Hedland gefahren.

Zwischen Newman und Tom Price liegt der Karijini Nationalpark, eingeklemmt zwischen der florierender Eisenerzgewinnung. Vermutlich sind die Deviseneinnahmen wichtiger als der Nationalpark und so werden an allmöglichen Ecken der Parkes neue Gebiete für den Erzabbau erschlossen. Vielleicht wird in den nächsten hundert Jahren der ganze Nationalpark mit seinen tiefen Schluchten abgetragen und das Erz nach China verkauft. Trotz der industriellen Eingriffe liessen wir uns die Fahrt durchs Gebirge nicht nehmen und stoppten an unzähligen Schluchten, schauten von dort in die Tiefe oder wanderten hinunter zu den Wasserpools. In den meisten Schluchten und Tälern war Dank der letzten und sehr ergiebigen Regenfällen viel Wasser vorhanden.

Tom Price ist quasi der gleiche Ort sieht fast gleich aus wie Newman; alles dreht sich um den Bergbau und Eisenerzgewinnung. Grosse Geräte kann man problemlos kaufen, doch im Liquorgeschäft gab es nur kleine Gebinde an Wein und die Flaschenanzahl war ebenfalls eingeschränkt. Dafür erhielt ich eine Genehmigung, dass wir der Tom Price Railway entlangfahren dürfen und ich (Tom) einmal richtig schwere Züge aus nächster Nähe erleben kann. Für jeden erspähten Zug legte ich einen Vollstopp hin und war immer wieder erstaunt, mit welcher Geschwindigkeit diese schweren Züge in Richtung Meerhafen brausten. Gezogen werden diese Mega-Züge von 3 sechsachsigen Diesellokomotiven. Bei gewissen Hafenzuläufen werden auch Züge vereinigt geführt, d.h. zwei Züge werden zu einem Zug vereint. Die Zahlen von dieser «Werksbahn» sind auch für einen Ex-Eisenbahner sehr beeindruckend. Die Züge haben mehrere hundert Meter Länge, sind 28’000 Tonnen schwer und fahren autonom, d.h. führerlos. Der ganze Betrieb wird aus dem 1’500 km entfernten Perth ferngesteuert, wo die jeweiligen Operators sitzen; verrückt diese Aussies! Fast wie eine Garteneisenbahn, die man aus dem Schlafzimmer auf dem Tablet um sein Haus pilotiert.

Wir wollten an diesem Abend im westlichen Teil des Millstream Chichester Nationalpark unser Nachtlager aufschlagen. Doch die Hitze in der Ebene vom Fortescue River war für uns fast unerträglich. So fuhren wir noch über ein Hochplateau auf die Nordseite des Nationalparks und fanden in der Nähe des Python Pool einen schönen Campplatz für die folgende Nacht. Der Ort war wirklich perfekt; nebst einer wunderbaren Fernsicht über das weite Tal hinaus, zauberte die Nacht einen fantastischen Sternenhimmel übers Firnament.

Bis zum Highway 1 lockten auf der Piste noch viele Wegweiser für zusätzliche Umwege und selbst das weite Tal war mit vielen kleinen Überraschungen gespickt. Weiter folgten wir der Highway 1 in Richtung Port Hedland durch weites Land, wo riesige Kuhherden im saftigen grünen Gras herumstanden und sich mit dem frischen Gras vollfrassen.

Port Hedland soll, gemäss meinen Informationen, zur Zeit der weltweit grösste Umschlagshafen von Erz sein. Jedenfalls waren schon aus der Ferne die ganzen Anlagen für den Erzumlad aufs Schiff sehr beeindruckend. Einfach alles 3X! Zu unserer Überraschung wird östlich von Port Hedland auf grossen Flächen Meersalz gewonnen und zu riesigen Salzhügel aufgetürmt; auch hier einfach alles in Übergrösse!

Bis Broome waren es noch rund 500 km auf der Küstenstrasse, die eigentlich viele Kilometer von der Küste entfernt durch Farmgebiet als auch durchs typisch australische Outback führt. Als Abwechslung könnte man noch über den Eighty Mile Beach fahren. Doch als Einzelfahrzeug hatten wir keine Lust auf dieses Sandabenteuer, wo die Gehzeiten starke Grenzen setzen. Wir wollten unser Auto auch nicht gleich mit Meerwasser fluten. Dafür waren wir erneut auf den westlichen Teil vom Great Sandy Desert gespannt, ob wir vielleicht dort endlich unser Wüstengefühl erleben konnten. Doch weit gefehlt – australische Buschlandschaft – Kilometer um Kilometer!

Broome erlebten wir ausserhalb der touristischen Hochsaison und selbst das Leben in China-Town war extrem ruhig. Obwohl es ein sehr schöner Ort ist, konnten wir unser Vorwärtsdrang nicht bändigen; wir wollten einfach weiter; auch fürs Perlentauchen war es nicht der richtige Zeitpunkt. So verliessen wir Broome mit einem frisch gewarteten Auto (Motorölwechsel) in östlicher Richtung. In Derby gäbe es noch ein weiteres Highlight zum westlichen Kimberley, doch wegen der Nebensaison waren selbst die Flüge zu den Horizontal Falls eingestellt. In mir (Tom) machte sich langsam aber sicher das Gefühl breit, dass wir für diese Gegend den falschen Zeitpunkt ausgewählt hatten.

Nach Derby hofften wir, dass die Gibb River Road offen sei. Gemäss meinen vorgängigen Informationen sollte diese Strassenverbindung ab April offen sein. Doch in diesem Jahr fegte nicht nur der Zyklon Narelle der Küste entlang, sondern andere Tiefdrucklagen brachten überdurchschnittliche Regenmengen. Vermutlich liegen noch zu viele Saltis (Krokodile) auf den aufgeweichten Strassenabschnitten umher, die steckenbleibenden Touristen allzu gerne zur Hilfe kommen würden. ☹

So setzten wir unsere Fahrt notgedrungen auf dem Great Northern Highway 1 fort, wo es bei der Oscar Range bei einem Abstecher ins Hinterland zu einer landschaftlichen Überraschung kam. Wir fanden in einer Silbersee ähnlichen Landschaft einen einmaligen Schlafplatz, der nirgends in einem Reiseführer vermerkt ist. Wow, welch eine Überraschung!

Weiter folgten wir dem zweispurigen Asphaltband über Fitzroy Crossing nach Halls Creek. Die Fahrt war weit und monoton. Statt durchs Kimberley hindurch zu fahren, müssen wir uns mit diesem langweiligen Weg begnügen. Kurz vor Halls Creek bogen wir nach Süden ab. Der Wolfe Creek Meteorite Crater Nationalpark lockte uns zu einem Abstecher. Doch den Krater erreichten wir an diesem Tage nicht; die ruppige Holperpiste (Wellblech) war für einen unserer stark abgenutzten AT-Reifen doch zu viel der Beanspruchung, und die äussere Seitenwand des Reifen ähnelte mehr einem Lochbrett als einem dichten Reifen. Der Ersatzreifen war schnell montiert, doch ohne einen weiteren Ersatzreifen weiter zu fahren; nein, auf dieses Risiko wollten wir uns nicht einlassen und drehten um.

In Halls Creek konnten wir drei Reifengeschäfte ausfindig machen und hofften, dass irgendein Geschäft etwas passendes für uns haben würde. Es was Samstag, ca. 11 Uhr morgens als wir den rettenden Ort erreichten. Zwei der drei Geschäfte sollten nach unseren Informationen noch offen sein. Doch weit gefehlt; die hatten alle schon geschlossen und sind ins Wochenende verreist. Ich spürte Chantal’s Wut! Wir hatten auch beim Anblick dieser angeblichen Reifenhändler bald den Eindruck, dass wir bei ihnen wohl kaum sofort das Gewünschte bekommen hätten. Bis Montag warten um zu hören, dass sie die gewünschte Grösse erst bestellen müssen? Nein, in diesem Ort wollten wir nicht bleiben.

So setzten wir unsere Fahrt fort nach Kununurra, das ganz in der nordöstlichen Ecke von Westaustralien an der Grenze zu Northern Territory liegt. In der Zwischenzeit war es Montag und schon beim ersten Reifenhändler konnten wir erfolgreich unsere gewünschten Reifen montieren lassen. Nach dem kurzen Stopp beim Lebensmittelhändler besuchten wir noch den Mirima Nationalpark. Doch für eine Wanderung durch die engen Schluchten war es uns bereits viel zu warm. Vielleicht ist es weiter südlich im Purnululu Nationalpark etwas angenehmer, wo wir noch unbedingt die Cathedral Gorge besuchen möchtrn.

Leider war unsere Vorfreude zu früh; infolge des Zyklon Narelle wurde die saisonale Schliessung des Purnululu N.P. vorerst bis Ende April verlängert. So setzten wir unsere Fahrt gleich fort und steuerten erneut den Wolfe Creek Meteorite Crater Nationalpark an. Mit den neuen Reifen werden wir die Schotterstrasse und dem widerwärtigsten Wellblech, das wir bisher gefahren sind, sicher bis zum Ziel schaffen. Wir erreichten es und standen am Rande davor, wo vor rund 300’000 Jahren ein Meteorit auf die Erde einschlug und einen Krater in diese flache Landschaft formte. Mit seinen 850 Meter Durchmesser ist es der zweitgrösste bekannte Meteoriteneinschlag auf dieser Erde. (Grösster Meteoriteneinschlag liegt in Arizona/USA.)

Anderntags fuhren wir wieder zurück nach Halls Creek und waren erstaunt; wegen der Reifenpanne hatten wir über 1’000 Kilometer zurückgelegt und konnten nicht einmal alle gewünschten Orte anfahren. Doch was sind in Australien 1’000 Kilometer; die Aussies denken in ganz anderen Dimensionen!

Von Halls Creek möchten wir ostwärts nach Northern Territory fahren und planten an den nächsten Ungewissheiten herum. Wir waren nach dem Verlassen des Ortes mehr als nur gespannt, was noch alles auf uns zukommen wird. Am Ortsausgang stand ein Schild, dass unsere gewählte Strasse geschlossen sei; gemäss Informationen im Internet sollte sie bis zur Grenze von Northern Territory offen sein. Mit etwas Unbehagen, aber voller Abenteuerlust starteten wir unsere Weiterreise in östlicher Richtung; die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und bis Darwin ist es noch ein weiter Weg.😊

Chantal u. Tom/Mitte April 2026