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…von Halls Creek über Darwin nach Halls Creek
Die Strasse westlich von Halls Creek war offiziell gesperrt. Mit einer grossen Unsicherheit fuhren wir trotzdem weiter; wird wohl gehen – unsere Informationen waren sehr widersprüchlich. Mit etwas Anspannung ging es weiter in östlicher Richtung. Bis zur Grenze von Westaustralien und Northern Territory führte der Weg über viele Erhebungen und mit jeder Richtungsänderung folgte ein neuer landschaftlicher Blick in die Ferne oder ins nächste Tal.
Ab der Grenze zu Northern Territory war es flach; ultra flach und weit. Die jeweiligen Stationen – extrem grosse Rinderfarmen – bestimmen quasi das Landschaftsbild. Diese Güter oder Mastbetriebe sind manchmal so gross wie bei uns in der Schweiz einzelne Kantone. Wahnsinn! Die Strecke bis Kalkarindji und weiter nach Top Springs war einfach sehr weit und, wie soll ich es sagen; langweilig. In Top Springs wollten wir über den Buchanan Highway durch den Gregory Nationalpark und Jasper Gorge zum Victoria Highway (Str. A1) fahren. Im Roadhouse fragten wir nach dem Strassenzustand. Der Betreiber fragte kurz nach dem Automodell und sagte gleich, dass es mit einem Toyota Prado eher knapp würde. Während ich tankte, tätigte der Betreiber noch ein Telefonat und meinte anschliessend trocken, dass der Wasserstand bei der Furt beim Victoria River 1,5m hochsteht und unmöglich zu passieren wäre, ausser wir möchten mit dem Auto schwimmen gehen.
Etwas enttäuscht umfuhren wir den Gregory Nationalpark und erreichten weit östlich des Nationalparks den Victoria Highway. Bis Katherine, wo wir uns mit allmöglichen Lebensmitteln wieder eindecken konnten, war es nicht mehr weit. Auch unsere Weinreserven waren erschöpft und wir wollten im Spirituosengeschäft ein paar Flaschen kaufen. Doch die Kontrolle bei der Eintrittstüre war sehr gründlich und ohne festen Wohnsitz noch reservierten Campingplatz wollte uns der Polizist vorerst nicht eintreten lassen. Nach einer kurzen Diskussion durften wir das Geschäft betreten, aber nur für den Kauf einer Flasche Wein pro Person. Noch während wir im Verkaufsladen waren, gab es draussen ein grosses Spektakel, da verschiedene Aborigines ebenfalls eintreten wollen, jedoch von den Ordnungskräften gehindert wurden. Tja, andere Regionen – andere Regeln und wir konnten wirklich nur sehr eingeschränkt einkaufen.
Bis zur Katherine Gorge war es nur noch ein kurzes Wegstück und wir wollten uns dieses Naturspektakel nicht entgehen lassen. Beim Informationszentrum des Nitmiluk Nationalparks folgte gleich die nächste Enttäuschung. Der Wasserstand im Katherine River sei zu hoch und die Fahrt mit dem Ausflugschiff sehr eingeschränkt. Nebst der eingeschränkten Fahrt war uns der Preis für etwas eingeschränktes einfach zu hoch. So wechselten wir zu den Edith-Wasserfällen im gleichen Nationalpark und hofften, dass wir dort für eine Nacht bleiben könnten.
Schon von weither erkannten wir das Badeverbotsschild. Nichts mit einem erfrischenden Bad im Pool unterhalb der Wasserfälle und die wohltuende Erfrischung blieb aus. Seit dem Durchzug des Zylon Narelle würden sich Krokodile (Salties) im Wasser vergnügen und ein gemeinsames Bad könnte für den einten der beiden bitter enden. Auch ohne Erfrischungsbad wollten wir auf dem angrenzenden Campingplatz übernachten. Aber, ohne vorherige Online-Reservation mussten wir das Gebiet wieder verlassen. Wir verfluchten dieses neuartige System, das die ganze Spontanität raubt und selbst wenn Ranger vor Ort sind, ist es unmöglich einen freien Stellplatz kurzfristig zu buchen. Etwas enttäuscht fuhren wir weiter und zur grossen Überraschung des Tages fanden wir nach Pine Creek einen wunderbaren Stellplatz; in wunderbarer Wildnis und dieser war kostenlos.
Unsere Erwartungen an den Kakadu Nationalpark waren gross; schon der Name verkündet etwas besonders. Doch schon beim südlich gelegenen Besucherzentrum standen wir vor verschlossenen Türen. Ups; haben wir da irgendwie etwas falsch gelesen? Die hatten – saisonbedingt – noch zu! Im ganzen Kakadu Nationalpark waren fast alle Touristenangeboten eingestellt; ab Mai könnten wir auf dem Alligator-River wieder nach Krokodile Ausschau halten, aber nicht jetzt im April.
Etwas enttäuscht, dass momentan alles saisonbedingt geschlossen war, fuhren wir weiter in Richtung Darwin. Beim Adelaide River, zwischen Mary River- und Djukbini-Nationalpark, erkundigten wir uns bei einem privaten Anbieter von Kroko-Touren über den Preis und die Wahrscheinlichkeit, die begehrten Tiere sehen zu können. Hier müssen wir die Ehrlichkeit des Anbieters loben; nach dem Hochwasser und dem hohen Wasserstand im Fluss können sie uns nichts garantieren. Die Krokodile lägen vermutlich alle irgendwie versteckt hinter den Bäumen und sind sehr schlecht bis nicht zu entdecken. Trotz der Ehrlichkeit verzichteten wir auf die Bootstour. Für 1 Stunde den Fluss hinauf zu fahren und Bäume zu bestaunen; nein, dazu hatten wir keine Lust.
In Darwin genossen wir die Annehmlichkeiten eines klimatisierten Bungalows; es war wirklich heiss und die Luftfeuchtigkeit entsprechend hoch. Während Chantal sich verschiedenen administrativen Aufgaben zuwandte, genoss ich (Tom) einen Tag in Zentrum von Darwin. Zwar kann der Hauptort von Northern Territory nicht mit den anderen grossen Zentren mithalten, doch ich schätzte die Überschaubarkeit und das sehr moderne Zentrum. 1942 legten die Japaner die damalige Stadt in Schutt und Asche; nur ein paar alte Gebäude überlebten diesen Angriff. Heute ist von dieser Zeit nichts mehr zu sehen und so entstand diese moderne Stadt. Die omnipräsenten Aborigines, die überall in den Strassen und Pärken sich lautstark unterhielten, hinterliessen in mir erneut einen etwas verstörenden Eindruck.
Natürlich durfte der Besuch im nahe gelegenen Litchfield Nationalpark mit seinen unzähligen Wasserfällen und Bademöglichkeiten nicht fehlen. Zwar war nur eine Strasse geöffnet und zu meinem Verdruss alle «4×4»-Wege gesperrt. Statt mit dem Auto durch den Morast zu suhlen, schnürte ich mir (Tom) die Wanderschuhe und suchte mehrere Wasserfälle und Badepools auf. Doch grosse Wanderrouten und Verbindungswege zu den einzelnen Wasserfällen waren ebenfalls gesperrt; die Wassermassen und Schäden vom Zyklon an den Wegen waren entsprechend gross.
Nach dem Litchfield Nationalpark wollten wir einen Parallelweg zum Stuart Highway benutzen, mussten aber auch dort nach vielen Kilometer umdrehen; die Wassermassen und -tiefen waren für unseren Prado einfach zu gross! Bei der Weiterfahrt auf dem Stuart Highway entdeckten wir südlich von Pine Creek das Franz Weber Pferdeschutzgebiet. Auf 450 km² leben Wildpferde, d.h. heisst Pferde, die einmal ausgewildert wurden und in der Neuzeit von den Farmern stark bejagt wurden. Franz Weber richtete 1987 dieses Schutzgebiet ein und wir waren seinerzeit grosszügige Spender seines Schutzgedanken.
Westlich von Katherine buchten wir im Judbarra/Gregory Nationalpark online einen Übernachtungsplatz, so dass wir am Folgetag gemütlich durch die Jasper Gorge südwärts fahren können. Zwischenzeitlich wurde der Buchanan Highway – eigentlich eine Schotterpiste – auf der Internetseite des Strassenservice von Northern Territory mit Einschränkungen freigegeben. Der reservierte Übernachtungsplatz als auch der freigegebene Buchanan Highway waren in unseren Augen ein Reinfall! Den gebuchten Schlafplatz konnte man nicht richtig benutzen; alles sehr ungepflegt und verwahrlost! Und beim Buchanan Highway mussten wir bei der Victoria-River Durchfahrt umdrehen; das Wasser war bei der tiefsten Stelle immer noch mindestens einen Meter tief und die Strömung extrem stark. Keine Ahnung, für welche 4×4-Fahrzeuge diese Durchfahrt möglich gewesen wäre, aber offiziell freigegeben. Für uns und unseren Prado war es jedenfalls zu viel und wir mussten eine 180°-Drehung machen! Tja, Abenteuer auf Schotterstrassen im australischen Outback.
Zurück auf dem Victoria-Highway, entschieden wir uns zurück nach Westaustralien zu fahren, da wir immer noch nicht ganz schlüssig waren, wo wir unser Auto verkaufen möchten. Zusätzlich hoffte ich (Tom) immer noch, dass in den nächsten Tagen die Gibb River Road geöffnet wurde. Dafür hatte der Purnululu Nationalpark seine Saisoneröffnung und stand ebenfalls schon auf unserem Wunschzettel.
Vom Great Northern Highway bis zum Nationalpark mussten wir 53 km durch privates Farmland fahren. Bei der ersten Wasserdurchfahrt drehten wir um, da wir nicht wussten wie tief diese ist und für ein vorgängiges Abgehen hatte ich vor den grossen Reptilien einen sehr grossen Respekt. Die Betreiberin des nahegelegen Campingplatz beruhigte uns anschliessend; sie hätte in diesem Fluss noch nie ein Krokodil gesehen, obwohl die Krokodil-Gorge gleich etwas südlich davon liegt.
Mutig fuhren wir zurück zur Flussdurchfahrt und schafften die Tauchfahrt problemlos. Bevor wir uns im Nationalpark frei bewegen konnten, gab es in Besucherzentrum nach dem Check-In die nötigen Informationen über den Park. Wir nutzten noch die restlichen Stunden des Nachmittags und erkundeten den südlichen Teil des Parks. Bei den Elefantenfels waren wir uns nicht ganz einig, ob es nun wirklich einem Elefanten glich oder ob der Namensgeber zu viel Fantasie hatte. Dafür war die kurze Wanderung zur Kathedrale wunderbar; die Erosion veränderte die Felsformationen in runde Felstürme. Im nördlichen Teil besuchten wir am Folgetag die Echidna Chasm und wir waren zeitlich genau dort, als kurz vor Mittag die Sonne durch die enge Schlucht schien. Mit vielen neuen Erlebnissen kehrten wir zurück und fuhren weiter nach Halls Creek.
In Halls Creek entschieden wir uns, das Auto in Sydney an Backpacker Cars zu verkaufen, da die Gibb River Road immer noch geschlossen war. So können wir auch neue Gebiete bereisen, die wir sonst nicht mehr hätten erleben können. Nach der kurzen Einkaufstour beim lokalen Lebensmittelhändler ging es nun definitiv ostwärts. Offiziell war diesmal die Duncan Road offen und mit viel Erlebnishunger starteten wir unsere Transittour in den Osten von Australien; viele Kilometer und ebenso viele unbekannte Sachen vor uns!
Chantal u. Tom/Mai 2026





































































































