>Bilder ganz unten!
…eine Inselrundfahrt…
….oder bis ans Ende der australischen Strassen.
Für uns war Tasmanien lange Zeit kein Reiseziel noch bekundeten wir Interesse an dieser südlichen Insel. Erst auf der Tour Richtung Cape York/Queensland wuchs der Wunsch, doch noch dorthin zu reisen. So planten wir dieses Abenteuer zusätzlich in unsere Australienreise ein. Uns wurde auch gesagt, die Fährüberfahrten wären lange im Voraus ausgebucht und während der Hauptferienzeit – Dezember / Januar – eine Buchung fast unmöglich. Somit buchten wir umgehend unsere beiden Überfahrten (es waren bis Ende März die letzten Plätze!) und waren plötzlich überzeugt, dass dieser Teil Australiens doch nicht fehlen dürfe. Es wurde uns von anderen Reisenden erzählt, dass es auf dieser Insel, umgeben vom südlichen Ozean, immer kalt und regnerisch sei, was uns wieder etwas skeptisch stimmte. Doch von der Reisezeit sollte es stimmen; wir waren jedenfalls gespannt und in meinem Reiseführer (Tom) steht auch, dass bei einer Australienreise Tasmanien nicht fehlen sollte.
Die Überfahrt von Geelong nach Devonport dauerte eine ganze Nacht und wir genossen wieder einmal die Annehmlichkeiten einer warmen Kabine, wo gleich nebenan WC/Dusche vorhanden war. Diesen Luxus genossen wir gleich in doppelten Zügen; das spartanische Leben in den Wäldern brachte und bringt nicht nur grosses Abenteuer. Der Dauerregen und die frischen Temperaturen zerrten allzu oft an unseren Nerven.
Morgens bei der Ankunft in Devonport/Tasmanien lachte uns die Sonne bei einem wolkenlosen Himmel an. Welcher Pessimist erzählte uns von schlechtem Wetter und stürmischen Verhältnissen? Schlussendlich bauen die Tassies (so werden die Einwohner von Tasmanien genannt) hervorragende Weine an und ohne Sonne und Wärme würde dies sicher nicht gehen. Wir freuten uns jedenfalls aufs Inselleben und stürzten uns gleich mit den vielen anderen Touristen und Reisenden ins Verkaufsgetümmel des nächsten Supermarktes. Alle mussten ihre Vorräte wieder ergänzen, da man keine frischen Lebensmittel mitnehmen durfte. Vor dem Verladen der Fahrzeuge in Geelong wurden die Autos peinlichst genau kontrolliert.
Unsere Stimmung war als könnten wir ganze Baumstämme ausreisen. Während eine frische Meeresbriese von der «Bass-Strait» über den Parkplatz huschte, verstauten wir die Unmengen an frischen Lebensmitteln. Wir vermuteten zu Recht, dass in abgelegenen Orten die Auswahl an bestimmten Lebensmitteln eher dürftig sein könnte und das Angebot in den Roadshops eher den lokalen Essensgewohnheiten entsprechen würden.
Wir starteten unsere Rundfahrt im Uhrzeigersinn, da sich im Westen bereits eine Schlechtwetterfront vom südlichen Ozean her näherte und der Entscheid war vorerst goldrichtig. Wie erwartet; kaum lag Devonport hinter uns, schon standen wir draussen in einer dünn besiedelten Landschaft. Grosse Farmen säumten unseren Weg, gefolgt von noch grösseren Waldgebieten, wo der Rohstoff Holz industriell genutzt wird und zu riesigen Kahlschlägen führt. Die Wunden in den Landschaften hinterliessen nicht nur im Waldgebiet erschreckende Bilder, sondern stimmte uns auch immer wieder nachdenklich. Der weltweite Papierhunger muss wohl endlos gross sein.
Unser Weg führte uns ans nordöstliche Cap, dort wo sich die Wallabies und der tasmanische Teufel sich gegenseitig gute Nacht wünschen. Dort draussen gibt es fast nichts, ausser viel Natur und tausende Schafe. Wir genossen auch unsere Camps in dieser einsamen Landschaft und waren immer wieder überrascht, dass die meisten offiziellen Campmöglichkeiten umsonst waren. Bei die Parks mussten wir zwar vorgängig ein Abonnement für zwei Monate lösen, was bei den meisten Nationalpark und staatlichen Wäldern von Tasmanien auch gleich für das nächtliche Stehenbleiben genügte.
An der Ostküste, auch unter Bay of Fires bekannt, wechselte das Wetter und die Temperaturen sanken in den tieferen einstelligen Bereich. Das abendliche Feuer wärmte uns meist noch längere Zeit, doch so richtig angenehm wurde es nicht mehr. Bei St. Helens steuerten wir ins Landesinnere und durchstreiften riesige Waldgebiete, wo staatliche und private Firmen um die Wette Bäume fällten. Nach dem Kahlschlag erfolgt zwar die Aufforstung, doch die jeweiligen Anblicke waren immer wieder erschreckend.
Der Dauerregen und die sehr frischen Temperaturen drängten uns wieder in tiefere Gebiete und so folgten wir bald wieder der Küste in südlicher Richtung. Unser nächstes Ziel war die Tasman-Halbinsel, wo wir auf ein weiteres dunkles Kapital des britischen Imperialismus stiessen. Nebst dem «schwarzen Krieg» gegen die tasmanische Urbevölkerung wurden in Port Arthur nicht nur 350 erwachsene Sträflinge zu Zwangsarbeit inhaftiert, sondern auch über 600 Jugendliche wurden auf einer vorgelagerten Insel zur Züchtigung festgehalten. Erstaunlicherweise wurden vor 200 Jahren in England Kinder ab rund 10 Jahren verurteilt wie erwachsene Personen und gleich nach Übersee deportiert. Die Ruinen der Zwangsarbeit und Züchtigung auf der ganzen Halbinsel zeugen noch heute von den harten und unmenschlichen Massnahmen.
Der Hausberg von Hobart – der Kunanyi/Mount Wellington – durfte selbstverständlich auf unserer Tour nicht fehlen; schon kraxelten wir die steile und schmale Strasse hinauf auf den Hausberg der Bundeshauptstadt. Leider war es oben eher ungemütlich; ein kalter Wind pfiff über die Bergspitze. Der Tiefblick war sehr eingeschränkt, dafür war es recht feucht und wir hatten das Gefühl, dass zwischen den Regentropfen auch ein paar Schneeflocken der Erde entgegen schwebten.
Die Stadt Hobart konnte uns nicht sonderlich lange in ihren Bann ziehen. Wir brachen auf, um das Ende der australischen Strassen zu erreichen. Beim Cockle Creek war dann endgültig Schluss; weiter südlich kann man nur noch ein paar Stunden durch den Dschungel wandern und sich vom Regen durchnässen lassen. Westlich davon liegen der Southwest- und Franklin-Gordon Wild Rivers National Parks. Die beiden Pars gelten weltweit als das grösste zusammenhängende Schutzgebiet. Für Autos kein Durchkommen und nur erfahrene Buschwanderer können und dürfen in dieses Gebiet hinein.
Für uns war es auch sehr verwunderlich, dass diese Parks eigentlich noch nicht auf eine lange Tradition zurückblicken können. Durch Protestbewegungen wurden diese Gebiete weltweit bekannt gemacht und vor der Abholzung bewahrt. Heute kann man über unzählige Wanderwege den riesigen Bäumen folgen und über ihr hohes Alter nur staunen. Nicht selten können diese Baumriesen auf eine über 400-jährige Geschichte zurückblicken, wo wir Europäer noch nicht einmal wussten, wo Australien lag.
Nach den Baumriesen wollten wir noch eine Stichstrasse hinaus nach Westen befahren und dort draussen in der Einsamkeit eine weitere Nacht verbringen. Nach vielen Kilometer Waldstrasse standen wir vor einem verschlossenen Tor; Ende der Fahrt. Statt nach Strathgordon im tiefen Dschungel und Regenwald ging es den gleichen Weg zurück und weiter nach National Park, eine kleine Ortschaft am Fusse des Mount Field Nationalpark.
Die Nacht war sehr kalt und morgens lag in den Höhenzügen des Mount Field N.P. wenig Schnee. Die Sonne hauchte uns die nötige Lebensenergie ein und schon steuerten wir auf das Höhenplateau. Für diesen Tag nahm ich mir (Tom) auch die Zeit für eine kurze Wanderung hinauf ins Skigebiet. Aus der geplanten kurzen Wanderung gab es schlussendlich ein vierstündiger Ausflug ins Hochgebirge, wo ich durch Hochmoore und über Blocksteine wanderte. Es war ein tolles Erlebnis, wo fast keine Menschenseele unterwegs war. Weiter unten, bei den Russell Falls holten mich, bzw. uns der Massentourismus wieder ein. Massen an Menschen wanderten vom Parkplatz in fein säuberlicher Wanderausrüstung zu diesem bekannten Wasserfall.
Wir kehrten dem Massentourismus den Rücken und reisten weiter zum zentralen Hochplateau, wo sich riesige Seen befinden, die heute alle irgendwie verbunden sind und das Wasser zur Stromerzeugung genutzt wird. Dieses Plateau mit den vielen Seen liegt auf über 1’200m.ü.M. und es war um die Mittagszeit sehr frisch. Noch bevor wir die Meteodaten kontrollierten, waren wir überzeugt, dass es in dieser Höhe nachts wohl sehr kalt würde. Deshalb verringerten wir unsere Höhe um 700 Meter und fanden in einem Taleinschnitt einen Campplatz, der auch vom Wind her sehr gut geschützt war. Selbstverständlich durfte bei diesem Camp auch eine kleine Wanderung zu den Liffey-Wasserfällen nicht fehlen. Ich (Tom) unterbot die angegebene Wanderzeit und halbierte diese gleich.
Zwar waren die Wetteraussichten für die kommenden Tagen nicht gerade vielversprechend. Am übernächsten Tag sollten von Westen her erneut dicke Wolken Tasmanien erreichen. Trotz dieser Ankündigung, starteten wir unsere Tour zur Westküste. Vielleicht wird es nur halb so schlimm sein und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Erneut ging es durch den Southwest- und Franklin-Gordon Wild Rivers National Parks der Westseite entgegen. Die Sonne lachte uns den ganzen Tag entgegen und beim Burbury-See richteten wir uns am Ufer des Stausees für die kommende Nacht ein. Obwohl immer noch wolkenlos, huschte bereits ein stärkerer Wind über den See.
Es kam wie es kommen musste; noch vor Queenstown setzte der Dauerregen ein und die Temperaturen waren entsprechend tief. Bis Straham surrte unser Scheibenwischer in Dauertempo und wir hatten keine Lust, irgendwo an dieser verregneten Küste stehen zu bleiben. In Rosebery, einer noch aktiven Bergbausiedlung, surften wir kreuz und quer im Internet und den Wetterberichten umher. Irgendwo muss es doch etwas trockener sein, oder? Schlussendlich gab es eine Monstertour über unzählige Pässe und abends standen wir erneut auf dem Campplatz, wo wir bereits vor zwei Tagen die Nacht verbrachten.
Der viele Regen und Wind machte uns irgendwie kreativ und geschickt suchten wir die Inselecke aus, wo es etwas angenehmer war. So fuhren wir kurzerhand an die Nordküste, am Folgetag wieder zurück zu den Liffey-Wasserfällen. Die Restzeit bis zur Fährüberfahrt zurück aufs «Hauptland», die Tassies meinen damit Australien, schrumpfte auf wenige Tage und wir waren immer noch nicht an der Westküste, wo ich (Tom) noch unbedingt hinwollte.
Unsere Geduld wurde schlussendlich doch noch belohnt; ein Hochdruck vertrieb die letzten Wolken und während den letzten drei Tagen hatten wir wirklich Wetter wie aus dem Bilderbuch. Wir freuten uns, dass es doch noch klappen würde und kraxelten erneut über unzählige Pässe und Hügelzügen zurück an die Westküste.
Nicht das ganze Gebiet an der Westküste steht unter Naturschutz; gewisse Flächen sind ausgenommen. Dort sind Bergbauunternehmen damit beschäftigt, irgendwelche Rohstoffe aus dem Boden zu fördern. Die Schotterstrassen leiden teilweise unter den schweren Lasten der übergrossen Lastwagen. Auch wir holperten stundenlang über das zermürbende Wellblech der Westküste entgegen. Endlich kam die Abzweigung in Richtung Arthur River und erneut durften wir ein weites und der Natur überlassenes Gebiet erkunden. Menschliche Siedlungen sucht man hier vergebens; die Gegend war vermutlich bei der Besiedlung vor 200 Jahren den Menschen wohl zu hart und nicht einladend. So blieb die Natur wie sie einst war.
Der Termin für die Schifffahrt rückte immer näher. Entlang der Nordküste bis Devonport besuchten wir noch ein paar touristische Hotspots, wo man – gemäss meinem Buch – jeweils einen Stopp einlegen muss. Was jedoch nicht im Buch stand; der Wildtierpark unmittelbar vor Devonport. So sahen wir doch noch die vom Aussterben bedrohten «tasmanischen Teufel» und gleich noch ein paar Jungtiere vom Aufzuchtprogramm. Chantal war mehr als nur happy und die Speicherkarte im Fotoapparat mit Daten fast überfüllt. 😉
Unser tasmanisches Abenteuer war zu Ende; etwas wehmütig standen wir auf dem Deck und winkten den Passanten am Ufer ein letztes Mal zu. Bei Sonnenschein kamen wir, bei Sonnenschein gingen wir. Trotz der vielen Widerwertigkeiten waren es unvergessliche Tage.
Und, bei der Rückfahrt genossen wir erneut den Luxus einer Kabine mit Dusche und warmen Bett. Der leichte Wellengang liess uns bald in die Träume versinken; auf dem «Hauptland» soll es ja wärmer sein. Hoffentlich!
Chantal u. Tom/Mitte Dezember 2025






























































































































