Transit

>Bilder ganz unten!

…von Westaustralien nach New South Wales
Mit viel Elan starteten wir in Halls Creek in Richtung Osten. Unsere Erwartungen an die Strecke in diese Richtung waren nicht besonders hoch, da viele flache Kilometer durch das australische Outback und Farmland bevorstanden. Doch der Entscheid war nun endgültig! Für mich (Tom) war das nicht «Befahren» der Gibb River Road eine gewisse Enttäuschung, da ich gerne noch etwas mehr ins Kimberley eingetaucht wäre. Doch, was nicht ist, kann ja noch einmal werden. Dafür freuten wir uns auf die Blue Mountains ganz im Osten von Australien.

Der erste Teil unsere Strecke war ein «déjà vue». Erst in Top Springs stoppten wir unsere Fahrt. Wir füllten den Tank zu einem Wucherpreis komplett auf und erkundigten uns im Roadhouse, ob die Strasse südostwärts in Richtung Stuart Highway offen und fahrbar wäre, da wir widersprüchliche Informationen zur gewählten Strecke hatten. Die junge Frau hinter der Theke wusste nichts über eventuelle Einschränkungen und irgendeinmal meinte eine ältere Aboriginalfrau, die Schotterpiste sei fahrbar, bevor sie anschliessend ihre Bierdose in einem Zug leer machte. Der Buchanan Highway – eine üble Schotterpiste – war fahrbar, doch die Schäden der letzten Niederschläge waren überall sichtbar. Nach einem weiteren Tag erreichten wir den Stuart Highway, die als eigentliche Lebensader von nördlichen Northern Territory gilt.

Unser Plan war, möglichst weit ostwärts und über eine Querverbindung nach Süden auf den Burkly Highway zu fahren. Doch der Traum des Tablelands Highway war schon bei der Abzweigung ausgeträumt – Strasse gesperrt. So blieb uns nur noch der Stuart Highway, wo sich der ganze Nord-Südverkehr bewegt und die riesigen Roadtrains mit ihren 60 m Länge immer zu gewissen Anspannungen auf dieser schmalen Strasse sorgten. Diese Monster mit bis zu 4 Sattelauflieger oder Anhänger donnern mit 100 km/h über die Landstrasse; Begegnungen oder Überholmanöver sind immer spezielle Herausforderungen. Und, fährt man nur mit 80 oder 90 km/h, so überholen sie mit 100 km/h, egal was entgegenkommt; verrückt diese Aussies!

Die vielen hundert Kilometer auf dem Stuart Highway durch das australische Outback, die sich irgendeinmal komplett monoton anfühlen, waren einfach unsere Pflicht. Nach dem kurzen Umweg nach Tennant Creek, wo der Tank wieder randvoll gefüllt wurde, ging es eine kurze Distanz zurück und über den Barkly Highway weiter ostwärts Queensland entgegen. Erneut unendlich weite Distanzen von einem Roadhouse zum nächsten. Alle vom Norden her einmündende Strassen waren gesperrt; überflutet!

Entlang des Burkly Highway liegen erneut riesige Farmgebieten, oder nach australischer Aussprache «station», die meist so gross sind wie einzelne Kantone in der Schweiz. In dieser Gegend dreht sich das ganze Leben um die Rindermast. Überall waren die riesigen Viehtransporter unterwegs, luden die Rinder auf und donnerten irgendwo hin. Der Fleischhunger in Australien ist riesig. Gemäss einer Statistik vertilgt jeder Australier über 100 kg /Jahr und nur die Argentinier überbieten diesen Rekord; grosses Land – grosser Hunger. Kurz vor der Bundesstaatsgrenze zwischen Northern Territory und Queensland wechselte die Landschaft zu mehr Buschland und in der Ferne konnten wir die ersten Erhebungen ausmachen. Draussen, d.h. ohne Klimaanlage des Autos, war es immer noch heiss und feucht. Selbst abends und nachts kühlte es nicht sonderlich ab. Tagsüber waren immer noch die lästigen Buschfliegen aktiv, die abends durch Stechmücken abgelöst wurden und wir uns dadurch vorzeitig ins Dachzelt zurückziehen mussten.

In Mount Isa, einer Bergbaustadt mitten im Outback, legten wir absichtlich einen längeren Stopp ein. Wäsche waschen und grosse Besorgungen standen auf unserem Programm. Die Wäsche konnten wir zwar waschen, doch mit den Einkäufen klappte es nicht. Unerwartet übersahen wir einen Feiertag («labor day») und alle Geschäfte, die eigentlich immer offen sind, waren geschlossen. Etwas ratlos standen wir beim Supermarkt vor verschlossenen Türen und waren uns nicht einig, ob wir nun noch einen Tage warten sollten oder unterwegs irgendwo und -wie das Nötigste einkaufen sollen. Die Wärme brachte einen baldigen Entschluss und so fuhren wir mit leerer Kühlbox weiter. Zur Beruhigung; wir fanden in den kleineren Orten immer wieder ein Geschäft, wo wir irgendetwas zum Essen kaufen konnten.

Auch in den unendlichen Weiten des südwestlichen Queensland, wo die Landschaft ultra flach ist, dreht sich alles um die Rindermast und die jeweiligen Farmgebiete sprengen immer wieder unsere Vorstellungskraft von Betriebsgrössen. Wir fuhren in die Provinz Boulia (Grafschaft), die auf ihren über 63’000 km² nur 500 Personen beherbergen soll; wahnsinn! Die Einsamkeit war selbst für uns garantiert und auf den Strassen, oder Wegen begegneten wir täglich vielleicht einer Handvoll Fahrzeugen. Erstaunlicherweise liegen in dieser flachen Landschaft unterschiedliche Nationalparks und wir rätselten immer wieder, was in diesen Gebieten geschützt wird oder soll. Die Informationen waren sehr spärlich und die jeweiligen Rangerstationen meist nicht auf unserem Weg. Dafür waren die jeweiligen Übernachtungsorte einzigartig; absolute Ruhe und ein Sternenhimmel der Superlative.

Zwischen Queensland und New South Wales liegt ein gemeinsamer Nationalpark und schon der Name «Colga Floodplain» liess uns aufhorchen. Die Regenfälle lagen schon ein paar Tage zurück und seitens Queensland war der Park offen, nicht aber auf der Seite von New South Wales. Trotz des geöffneten Parks war der Weg öfters matschig und hinter uns zeugten tiefe Fahrspuren von unserer Durchfahrt.

Bald begrüsste uns das Willkommensschild von New South Wales und wir erreichten den letzten Bundesstaat auf unserer langen Reise kreuz und quer durch Australien. Das Wetter, resp. die Temperaturen waren inzwischen auf ein, tagsüber, erträgliches und nachts kaltes Niveau gesunken. Die zusätzliche warme Decke wurde zur Pflicht.

Mitten in dieser Pampa lockte ein Schild zu einem Abstecher in ein Bergbaudorf, wo schwarzer Opal abgebaut wird. Wir verstanden zwar das Schürfprinzip nicht ganz, aber die ganze Gegend sah irgendwie chaotisch aus. Vermutlich kann man eine Lizenz für ein Stück Land erwerben und anschliessend mit den Wühlarbeiten beginnen. Nebst den unordentlichen Arbeitsplätzen, wo Einzelpersonen ihrem Glück nachgehen, stehen viele verlassene Gebäude in der halb gerodeten Buschlandschaft, wo das einst benötigte Material dem Schicksal überlassen wird. Vielleicht ist die Sucherei nach dem schwarzen Opal doch nicht so erfolgreich, wie viele Glückritter erhoffen?

Kurz vor den Blue Mountains durchquerten wir das weite Gebiet des Timmallallie Nationalpark. Ein riesiges Waldgebiet, wo wir auf den immer wieder anzutreffenden ehemaligen Feuertürmen in die Ferne schauen konnten und die Blue Mountains im Hintergrund erspähen konnten. Nach dem weiten Wald folgten erneut landwirtschaftlich stark genutzte Flächen, wo mit übergrossen Maschinen bereits die Felder für die nächste Aussaat bestellt wurden.

Spät abends erkletterten wir mit unserem Toyota und vollem Scheinwerferlicht die Liverpool Range hoch. In den Talebenen war es fast nicht möglich, einen geeigneten Schlafplatz zu finden und so wählten wir einen Campingplatz im nächsten Nationalpark; weit oben in den Bergen, bzw. Hügeln, wo sich die Ziegenherden, Wildschweine und Dingos sich gegenseitig gute Nacht sagen.

Unsererseits war diese Nacht – hoch oben in den Liverpool Range – eine gute Eingewöhnung für die noch kälteren Temperaturen in den Blue Mountains. So hofften wir auch insgeheim, dass nebst den frischen Nächten, sich die angekündigte Schlechtwetterfront etwas verzögern wird; kalt und Niederschlag – nein danke!

Doch, es kam wie es kommen musste….Regen und eisige Temperaturen!

Chantal u. Tom/Mai 2026