Vom Goldfieber bis zum Stillstand

>Bilder ganz untern!

…von Esperance über Kalgoorlie-Boulder nach Albany
“Ja, auch wir wollten einmal ins tiefe Loch schauen und vielleicht hätten wir auch das Glück gehabt, wie jene Männer, die vor über hundert Jahren nördlich von Esperance einen Goldrausch auslösten.”
Doch auch hier waren die Wege erneut weit; sehr weit.

Wir verliessen Esperance auf der Westseite, folgten der wunderschönen Küste und drehten später nach Norden ab. Als erstes Ziel wollten wir zum Peak Charles Nationalpark und dort am Fuss des gleichnamigen Berges unsere Nacht verbringen. Wir planten unseren Weg und glichen die Strecke auf unseren Karten ab; wir waren sicher, dass wir relativ direkt den Nationalpark anfahren konnten. Doch in Australien ist vieles möglich oder gar unmöglich. Unser geplanter Weg war gesperrt, da irgendein Unternehmen bei einem Salzsee Rohstoffe abbaute. Selbst die nahe gelegenen Ausweichstrecken waren ebenfalls gesperrt. So gab es einen sehr weiten Umweg und eine erneute Nacht im Buschland.

Nachmittags des Folgetages trafen wir an unserem gewünschten Ziel ein. Sofort richteten wir unser Camp ein, so dass Tom endlich zu seiner Wanderung auf den Peak Charles aufbrechen konnte. Vielleicht war es nicht gerade der beste Zeitpunkt, doch ich (Tom) wollte unbedingt dort hinauf. Bestens ausgerüstet für die ersten Kilometer durch die offene Buschlandschaft stieg ich relativ zügig den Berg hoch. Nach meinen Einschätzungen und dem Wegzustand wird dieser Bergweg nicht sehr oft begangen und beim Aufstieg verfehlte ich einmal die richtige Spur. Oben auf dem Granithügel – ganze 651 Meter hoch – war ich von der Aussicht sehr überrascht und genoss diesen Moment der totalen Abgeschiedenheit. Beim Abstieg musste ich drei Mal hochsteigen um den richtigen Weg wieder zu finden; der Weg war stellenweise stark zugewachsen und nur schwer aufzufinden.

Nach dem Bergerlebnis folgten wir wieder einer eher flachen Landschaft durch weite Buschlandschaft und unzähligen Salzseen. Noch vor Norseman bogen wir vom Esperance Highway ab und folgten einem touristischen Weg durch den Busch. Entlang dieser Strecke wurden bei der Besiedlung Australiens die ersten Goldfunde gemacht und überall waren alte und historische Sachen zu entdecken. In Norseman selbst wird der Bergbau immer noch betrieben. Nebst Gold werden auch andere Mineralien abgebaut und exportiert.

Bis nach Kalgoorlie-Boulder war es nicht mehr weit und die riesigen Sattelzüge mit 4 oder 5 Anhängern kündigten die aktiven Tätigkeiten schon früh an. Den Super-Pit, das grösste Loch in Australien, fanden wir die Aussichtsplattform trotz aktiver Suche nicht; unsere Karten führten uns immer an den falschen Ort. Selbst Google-Map wusste nicht den richtigen Weg. Etwas enttäuscht durchstreiften wir die nähere Umgebung und das Zentrum von Kalgoorlie. Dank des Sonntags und den bevorstehenden Nationalfeiertag war es in den Strassen sehr ruhig, aber leider hatte das Bergbaumuseum zu unserem Verdruss geschlossen.

Den Super-Pit, das grosse Loch in der Erde, fanden wir am Folgetag doch noch. Der Besucheraussichtspunkt und Zufahrtsweg wurden neu angelegt. Wir vermuteten, dass unter dem alten Aussichtspunkt sich wahrscheinlich eine Goldader befindet und das Gebiet somit grossräumig abgetragen wird. Das Loch hat eine ungefähre Ausdehnung von 3,5 Kilometer auf 1,5 Kilometer und ist über 600 Meter tief. Die riesigen Maschinen bewegen sich wie fleissige Ameisen auf den unterschiedlichsten Wegen hin und her. Selbst die riesigen Kipper mit bis zu 250 Tonnen Gesamtgewicht sahen niedlich klein aus und wir fragten uns immer wieder, ob die sehr kleinen Pick-Ups nicht öfters platt gefahren werden. In diesem Loch wird an 365 Tagen im Zweischichtenbetrieb zu 12 Stunden gearbeitet; so begehrt muss das Edelmetall sein. 😊

Westlich von Kalgoorlie-Boulder liegt der Goldfield-Woodlands Nationalpark. Ob die Namensgebung mit den früheren Aktivitäten zu tun haben, konnten wir nicht genau in Erfahrung bringen. Auch was hier genau geschützt wird, war uns nicht ganz klar. Ja, die Landschaft sieht toll aus, doch die gibt es fast überall zu bewundern. Dafür konkretisierte sich das Treffen mit einem bekannten Ehepaar von der Panam-Tour und wir buchten gemeinsam eine Walbeobachtungstour in Walpole. Wir freuten uns schon im Voraus auf das gemeinsame Wiedersehen.

Auf dem Weg in südlicher Richtung, fuhren wir durch eine Landschaft, die sehr intensiv landwirtschaftlich genutzt wird. Die riesigen Kornfelder scheinen selbst am Horizont nicht enden zu wollen. Bei der Fahrt durch diese Gegend legten wir noch einen Stopp bei den Humps ein, wo in einer Höhle Felszeichnungen von den Aboriginal zu bestaunen sind. Selbstverständlich durfte dann die Steinwelle (Wave Rock) im nahegelegenen Hyden nicht ausgelassen werden. Bei diesem bekannten Punkt waren wir nicht alleine unterwegs; Massen an Menschen bewegten sich bei der Welle umher und sie zu beobachten war fast amüsanter als das Naturwunder zu bestaunen.

Eigentlich wäre noch ein kurzer Aufenthalt im Fitzgerald-River Nationalpark auf unserer Wunschliste gewesen. Dort sollte es viele Pflanzen geben, die nur in dieser Gegend vorkommen. Auch die Tier-, resp. Vogelwelt sollte einzigartig sein. Bei der Abzweigung in Hopetoun stand eine riesige Leuchttafel, wo unmissverständlich stand, dass der Park infolge eines Buschfeuers geschlossen sei. Obwohl die Rauchfahne uns nicht allzu gross erschien, war der Park auch westseitig gesperrt. Tja, höhere Gewalt, die wir nicht beeinflussen konnten. So fuhren wir nördlich dem Fitzgerald-River Nationalpark entlang weiter durch die weite Landschaft und hofften im Stirling-Range Nationalpark noch etwas Besonderes zu erleben. Leider war der Aufenthalt in diesem Nationalpark etwas enttäuschend.

Unser Auto machte mir (Tom) immer mehr Sorgen. Beim letzten Service in Albury wurden gewisse Dinge beanstandet und zur Reparatur empfohlen. Nun tropfte es an der Vorderachse immer mehr, da die Wellendichtringe ihr Lebensende wohl erreicht haben. Auch der Startprozess bei warmem Motor machte zeitweise gewisse Probleme, d.h. der Anlasser drehte sehr lange bis der Motor anspringt und meist roch es übel nach Benzin. Wo der Geruch her kam, konnte ich nicht herausfinden, hatte aber Angst, dass plötzlich irgendetwas Feuer fangen könnte. So fuhren wir ziemlich direkt nach Albany zur Toyota-Werkstatt, wo gleich ein Termin für die kommende Woche vereinbart wurde. Die Werkstatt konnte in der Zwischenzeit die nötigen Ersatzteile anhand der Mängelliste in Perth bestellen. Nicht zu vergessen, wir haben ein altes Auto mit 22 Jahren auf dem Buckel und da sind vermutlich nicht mehr alle Teile überall verfügbar.

Die folgende Nacht verbrachten wir östlich von Albany bei der Betty’s Beach und nur durch Zufall durften wir für diese Nacht stehen. Die freien Campings waren alle komplett überlaufen und fast chaotische Verhältnisse herrschten um diese Plätze. In Betty’s Beach sorgte eine Platzwartin für eine gewisse Ordnung und wies uns einen Stellplatz zu. Der freie Campingplatz liegt wunderbar und schön eingebettet in der Bucht, umrahmt von riesigen Granitblöcken. Am nächsten Morgen erzählte uns die Platzwartin, dass dies noch bis Mitte März so weiter gehen würde und ab 24. Februar die Lachsfangsaison beginnt. Da hätten normale Camper keine Chance mehr einen Platz zu ergattern. Mir (Tom) kam gleich die Hochwildjagd in gewissen Kantonen der Schweiz in den Sinn, wo während der Jagd alles andere stillsteht. 😉

Wir machten uns auf den Weg in Richtung Walpole, durchquerten Abermals das Zentrum von Albany, folgten über Nebenstrassen nach Denmark und weiter auf dem South Western Highway in Richtung Westen. Kurz nach Denmark klingelte Chantal’s Telefon. Am andern Ende war unsere Freundin der Panam-Tour, die uns ganz aufgeregt mitteilte, dass wir in den falschen Ort fahren würden, die Walbeobachtungstour wäre in Bremer Bay. Wir waren etwas überrascht und gleichzeitig fragten wir uns, ob wir den Termin dieser Tour einfach sein lassen wollen. Wir entschlossen uns, diese Tour doch gemeinsam zu unternehmen und die 300 Kilometer nach Bremer Bay zurück zu fahren.

Wir waren schon eine gewisse Zeit auf dem Rückweg, als erneut das Telefon klingelte und uns mitgeteilt wurde, dass die Tour um einen Tag verschoben wurde und wir somit mehr Zeit bis nach Bremer Bay hätten. Durch diese Gegebenheit hatten wir einen Tag mehr Zeit mit unseren Freunden und an Gesprächsstoff mangelte es jedenfalls nicht; reisen verbindet und schafft Freundschaften.

Die Waltour hinaus aufs offene Meer; da sind wir – Chantal und ich (Tom) – fast gegenteiliger Meinung. Gleich vorweg; das Meer war windbedingt sehr rau und der Wellengang liess den Katamaran stark hin und her schaukeln. Für viele Mitreisenden war diese Schaukelfahrt zu viel und eher ein Horrortrip als eine Beobachtungstour. Mir (Tom) gefiel der Ausflug und ich bekam wirklich viele Orcas zu Gesicht. Leider war meine Kamera oft zu langsam und schon waren die grossen Wale in den Fluten verschwunden. Trotz des Wellenganges und der Schüttelfahrt durften wir viele dieser Meeresriesen bewundern und werden mir (Tom) wohl in guter Erinnerung bleiben. Der kurze Abstecher bei der Rückfahrt zu den Seelöwen war fast noch eine Pflichtübung, da diese Tiere das vorher gesehene kaum dopen konnten.

Nach 3 Tagen trennten sich unsere Wege und wir fuhren zurück nach Albany. Auf dem Rückweg lockte der Castle Rock mit seinem Skywalk für einen kurzen Stopp. Es war auch das erste Mal, dass sich vor meinen Füssen eine längere Schlage direkt ins Unterholz verkroch. Leicht erschrocken nahm ich das Wandertempo zurück und achtete noch intensiver auf den Boden, der vor mir lag. Nebst der tollen Aussicht auf dem Berg kehrte ich mit einer neuen Erfahrung zum Auto zurück und war froh, dass die Begegnung mit diesem kriechenden Tier so harmlos ausging. Die letzten Kilometer bis Albany hatten wir bald hinter uns. Nach dem Bezug der Unterkunft brachten wir unser Auto zur Werkstatt. Für die Reparatur wurde ein Werkstattaufenthalt von 2 Tagen eingeplant und den Bungalow reservierten wir vorsichtshalber für 3 Nächte. Da die Ersatzteile bereits in der Werkstatt waren, sollte diese Zeit wohl reichen.

Doch plötzlich ging alles irgendwie viel länger. Kurzfristig wurde uns mitgeteilt, dass doch noch Ersatzteile aus Perth angeliefert und sich die Reparatur hinaus zögern würde. Für uns eine zermürbende Aussage der Werkstatt. Während ich mich (Tom) frei bewegen konnte, bedeutete dies für Chantal warten und herumsitzen. Irgendwie stimmte es für uns plötzlich nicht mehr so richtig und das schlechte Wetter und die Kälte liess unsere Reisemoral weiter sinken. Die Stimmung war manchmal überreizt und plötzlich versagten auch andere Gegenstände, was noch mehr zur «Motivation» beitrug.

Tja, was blieb uns anders übrig als schön geduldig zu warten und gleich mehrere Tage in Albany aushalten. Unser «Haus», das Auto mit der kompletten Ausrüstung stand in der Werkstatt und wir in einem kalten unbequemen Häuschen. Ob es den Werkstätten egal ist, was Reisende in solchen Momenten machen, wissen wir wohl nicht. Doch solche Momente waren und sind immer ein Horror für Reisende. Hoffen wir, dass die Versprechungen der Werkstatt doch noch eingehalten werden und wir bald wieder unser Auto im Besitz haben. Hoffentlich; sonst könnten wir bald obdachlos sein!

Chantal und Tom/Februar 2026