…weiter nordwärts

>Bilder ganz unten!

K’gari (Fraser Island) und Hinterland von Queensland
Der Sprung hinaus auf K’Gari war wie eine Wohltat. Endlich stimmte es für uns und es war wie ein neuer Aufbruch unseres Abenteuers in Australien. Vorgängig richteten wir unser Auto auf dem letzten Campingplatz noch so ein, dass es für uns in Bezug auf Ausrüstung und Möglichkeiten der selbstständigen Autonomie stimmte. Das Übersetzen von Rainbow Beach mit der Fähre empfanden wir als Neustart in eine neue Welt.

Nebst der neuen Insel mussten wir uns gleich mit den Gehzeiten des Meeres auseinandersetzen, da bei Beachfahrten Flut und Ebbe ein wichtiger Faktor spielen. Ebenfalls waren wir ab den vielen Plakaten über die Gefahr der Dingos etwas verwundert. Sind diese Tiere wirklich so gefährlich, oder sind die Touristen auf der Insel etwas unvorsichtiger als in anderen Landesteilen von Australien?

Es war auch unser erster Aufenthalt, wo wir vorgängig alles fein säuberlich organisieren, d.h. jedes Camp, das wir anfahren wollten, mussten vorgängig gebucht werden. Selbstverständlich durfte die Bewilligung fürs Autofahren nicht fehlen! Internet auf der Insel ist eine Rarität und nur an 3 Punkten, bei den Ressort verfügbar. Somit konnten wir uns nicht spontan für ein neues Camp entscheiden oder den Aufenthalt nur schwerlich verlängern.

So starteten wir unser Motor und wagten uns in die weite Strandwelt, wo das 4×4-Fahren trotz Nationalpark eine Selbstverständlichkeit ist. Mit 80 km/h darf man über den Sand brausen, was für mich (Tom) eigentlich fast etwas nach «Verrücktheit» klingt. Wir liessen jedenfalls die vielen «Aussies» ziehen und genossen das langsamere Gleiten entlang des 75-Mile-Beach bis zu unserem ersten Camp, wo, kaum dort und eingerichtet, ein Dingo von hinten anschlich und mit seinen Augen uns bettelnd anschaute.

Nebst dem Fahren am Strand zwischen den Gehzeiten, erkundeten wir allmöglichen Sandpisten, über die wir einsame Ecken anfahren konnten. Während sich an der Pazifikküste die Angler gegenseitig auf den Füssen herumtraten, waren wir auf unseren Abwegen fast alleine unterwegs. Vermutlich war es den allermeisten einfach zu weit weg oder zu wenig spektakulär. Wir wiederum genossen diese Abgeschiedenheit und die üppige Natur der Insel.

Nach einer Woche Sonnenschein und angenehmen Temperaturen war auch für uns die Zeit gekommen, uns von den Dingos zu verabschieden und bei einsetzendem Regen setzten wir wieder aufs australische Festland über. Willkommen im feucht-warmen Klima der Ostküste.

Wir folgten weiter der Hauptverbindungsstrasse – dem Pazifik-Highway – und suchten immer wieder Wege, die unser Motto wiedergeben; die Backroads. Oft fanden wir diese, genossen die unzähligen Kilometer entfernt von der Hektik der Hauptverbindung, mussten aber dafür viele Zusatzkilometer ins Hinterland in Kauf nehmen. Leider mussten wir aber immer wieder auf die Hauptverbindung zurückkehren, da es einfach keine andere Strasse oder Weg gab.

Was uns immer mehr auffiel, waren die vielen toten Tierkadaver am Strassenrand. Ob auf den Hauptverbindungen oder den einsamen Pisten durch den Wald; immer und überall lagen tote Tiere am Wegrand. Ob Schlangen oder eine fast unzählbare Anzahl an Kängurus; ein trauriger Anblick und je ländlicher es wurde, desto mehr lagen sie am Strassenrand.

Zurück zu unserer Route im Hinterland, wo wir die Backroads sehr ausgiebig genossen, kämpften wir aber immer mehr gegen die Pannenanfälligkeit unserer Reifen. Profil hätten sie sicher noch genug gehabt, doch der Gummi war bereits sehr spröde und die Kieselsteine der Schotterstrassen sorgten für unzählige Plattfüsse. Routiniert reparierten wir diese Durchstiche mit den Gummiwürsten des Reparatursets und konnten die nächsten 500 Kilometer zurücklegen, ehe es wieder hiess; wir haben einen «Platten». Leider führten die vielen «Gummiwürstchen» zu weiteren Problemen wie langsame Luftverluste oder Unwucht an den Rädern. Es war Zeit für Reifenwechsel!

Wir liessen in einem kleinen Nest, wo Zuckerrohr zu Brandy oder Zucker verarbeitet wird und das ganze Dorf nach dem süsslichen Geschmack riecht, fünf neue Reifen fürs grobe Gelände aufziehen und zu unserer Verwunderung, Backpacker Cars in Sydney übernahm die Kosten für den falschen Reserve-Reifen. Jedenfalls eine tolle Geste des Verkaufsleiters, da der montierte Ersatzreifen eh nicht für unser Auto passte.

Mit neuen Reifen und voller Zuversicht ging es ein Stück zurück und hinauf ins Küstengebirge. Rund 8 Meter Regen soll in dieser Gegend pro Jahr auf die Erde nieder prasseln und für einen üppigen Wuchs sorgen. Nebst den vielen Bächen waren die Wasserfälle immer wieder eine besondere Abwechslung. Bei so viel Regen war auch die hohe Luftfeuchtigkeit ein Thema, das bei uns immer wieder zu Schweissausbrüchen und feuchter Haut sorgte. Und bei dieser hohen Luftfeuchtigkeit sorgten abends die stechenden Ungeheuer für bleibende Erinnerungen. Erst 100 Kilometer von der Küste entfernt, wurde es trockener und wieder etwas angenehmer.

Unsere Route führte uns zurück zur Pazifikküste. Es ist ein Gebiet, wo vor langer Zeit die weissen Siedler den Urwald rodeten um Weiden für Vieh- und Milchwirtschaft anzulegen. Uns erinnert es an irgendeiner vertrauten heimischen Gegend der Voralpen. Nebst der hügeligen Landschaft, türmten sich im Hintergrund höhere Berge auf, die alles andere als unseren Vorstellungen über Australien entsprachen.

Bis Cairns waren es nur noch wenige Kilometer. Da möchten wir uns für den nächsten Sprung zum Cap York vorbereiten. Unsere Wäsche sollten wir auch wieder einmal waschen; die verschwitzen Kleider der letzten Tage riechen übel und eine kurze Pause wäre sicher auch angebracht.
Doch, bald starten wir durch hinauf zum Cap York.