>Bilder ganz unten!
…via Coober Pedy
Port Augusta lag schon viele Kilometer hinter uns. Wir waren gespannt, was uns in Coober Pedy – mitten im australischen Outback – erwarten würde, wo Menschen nach Opal-Steinen graben und auf einen gewissen Erfolg hoffen. Für uns bedeutete dieser Abstecher hinaus ins Outback einen Umweg von fast 1000 Kilometer auf dem Stuart Highway. Andere und weniger befahrene Strassen oder Wege, die uns von den riesigen Road-Trains (Lastwagen mit bis zu 5 Anhängern und 65 Meter Länge) weggebracht hätten, gab es keine.
Bei der fast eintönigen Fahrt über dieses Teerband durch das Outback, wo viele Pflanzen den unwirtlichen Bedingungen trotzen, sorgten die vielen Salzseen für wenig Abwechslung. Bis Coober Pedy stoppten wir jeweils bei den beiden Roadhouses und waren erstaunt, wie der Spritpreis mit der Entfernung zum Meer in die Höhe stieg. Ausser Treibstoffen, ungesunder Nahrung und Biere gab es jeweils nicht viel mehr zu kaufen. Vermutlich sind die Preise hier draussen dermassen überteuert, dass die Reisenden sich bereits vorher grosszügig versorgen und die Angebote nicht nutzen.
Nach zwei Tagen hatten wir es endlich geschafft und das Ortsschild löste eine gewisse Anspannung aus. Die vielen Erdhügel und Abbaugebiete kündigten das Opal-Abbaugebiet schon von weither an. Was werden wir hier wohl erleben? Mein Reiseführer (Tom) beschreibt diesen Ort etwas widersprüchlich als eine gottverlassene Ansiedlung im mitten von nirgendwo, wo nur Hitze und Staub sei, aber wegen seinen unterirdischen Häusern und Kirchen jederzeit einen Besuch wert wäre. Staubig war es und eine gewisse Unordnung allgegenwärtig. Zu unserem Verdruss hatte das Opal-Museum geschlossen. So konzentrierten wir uns auf die unterirdischen Kirchen, die in Felshöhlen gebaut wurden und eine angenehme Frische in dieser heissen Gegend haben. Und wirklich, nebst der kleinen katholischen Kapelle machte die serbisch orthodoxe Kirchen einen wunderbaren Eindruck auf uns. Dies musste oder muss noch heutzutage einen Rückzugsort der Mineure sein, wo sie vermutlich die übergeordnete Macht für ihr grosses Glück bitten.
Die Mineure mussten bleiben, wir durften wieder das Weite suchen und verliessen noch am selben Tag diesen Ort, wo jeder Schritt gleich einen kleinen staubigen Wirbelwind auslöste. Bis kurz vor dem Roadhouse Glendambo mussten wir erneut den gleichen Weg auf dem Stuart Highway fahren. Es gäbe zwar noch ein paar andere Wege, die sind aber verboten oder nur mit einer Erlaubnis der Ureinwohner, die man irgendwie im Internet beantragen könnte, befahrbar.
Wir waren froh, endlich die zweispurige Strasse bei der Rückfahrt kurz vor Glendambo zu verlassen und holperten bald hinaus in die weite Buschlandschaft. Der Weg hatte wenige Abzweigungen zu den «Outstation», so werden die riesigen Farmen im australischen Outback genannt. Doch von irgendwelchen Siedlungen oder gar menschlichen Aktivitäten entdeckten wir nichts. Wir wühlten uns gemächlich über die sandige Piste bis nach Kingoonya. Nur wenige Häuser säumen die Strasse, das Hotel machte einen niedergewirtschafteten Eindruck und die Tankmöglichkeit suchten wir vergebens. Zwar sollte unser Benzinvorrat noch reichen, doch in Australien sollte man bei jeder Gelegenheit den Tank auffüllen; man weiss ja nie!
Irgendeinmal verliessen wir die Gawler Range Road und wagten uns über die Skull Camp Tanks Piste zum Lake Gairdner, einen riesigen und unter Naturschutz liegenden Salzsee.
Selbst bei Naturschutz wird hier die alte Tradition immer noch gepflegt; alljährlich gibt es auf dem Salzsee ein grosses Rennen mit allmöglichen Fahrzeugen. Wir wurden vom Motorenlärm verschont und hatten den Campingplatz am Salzsee für uns alleine. Abends hüpften noch Kängurus über den Platz und bald zogen abertausende Sterne übers Firmament. Wir genossen die absolute Stille in dieser weiten und dunklen Buschlandschaft.
Die Gawler Range lag bald hinter uns und nach dem weiten Abstecher ins Landesinnere erreichten wir wieder die Zivilisation, die sich entlang der grossen australischen Bucht (südlicher Ozean) entlang zieht. Wir hatten noch verschiedene Möglichkeiten, vom Eyre Highway wegzufahren und uns über unzählige Nebenwege westwärts zu bewegen. Immer wieder suchten wir Plätze am Meer auf, wo es gleich etwas angenehmer war als wenige Kilometer davon entfernt. Was jedoch meistens immer blieb, waren die lästigen Fliegen, die uns von morgens bis abends treu begleiteten. Bei Einbruch der Dunkelheit verschwanden diese zwar, wurden aber meist von den Stechmücken oder Sandflies abgelöst.
Die Ferienzeit gestaltete unsere allabendliche Suche nach einem geeigneten Campplatz oft zu einem Spiessrutenlauf. Auch die Australier lieben das Campen in der freien Natur und belegen mit ihren Wohnwagen und Fahrzeugen die möglichen Plätze grosszügig, so dass die wenig erlaubten Plätze oft schon am Nachmittag belegt waren. Bei den kommerziellen Campingplätzen waren die Preise ferienbedingt meist über unserer Schmerzgrenze; für nichts wollten sie viel Geld.
Die «Nullarbor Plain» sollte für die nächsten Tage unser zu Hause sein; ein Gebiet, das sich fast über 1400 Kilometer der grossen australischen Bucht entlang zieht und eigentlich – ausser Natur und Strasse – nichts zu bieten hat; Ausweichmöglichkeiten gibt es keine! So fuhren wir, wie alle anderen Touristen, schön brav über das endlos scheinende Teerband westwärts. Obwohl links als auch rechts eine schöne Buschlandschaft zu bewundern wäre; irgendeinmal hatten wir es «gesehen». Leider hatten wir uns zu Beginn dieser weiten Fahrt zu wenig informiert: Entlang dieser Strecke gäbe es einen 18-Loch-Golfkurs. Bei jedem Ort an dieser Strecke gibt es ein Loch; Schläger werden meist gestellt, nur die Golfbälle sollte man mitbringen.
Irgendwann im Nirgendwo folgte die Grenze von Südaustralien nach Westaustralien. Ein Roadhouse und eine Kontrollstation markieren die Grenze zwischen den beiden Bundesstaaten. Die Lebensmittelkontrolle war peinlichst genau und die Beamtin wollte wirklich überall hineinschauen; frische Früchte und Gemüse, Samen und allmögliche Setzlinge sind absolut tabu. Bei dieser Grenze waren wir vorbereitet und alles war weg. Die Kühlbox war schon lange nicht mehr so leer und wir hofften, dass wir bald wieder irgendwo einkaufen könnten. Fehlanzeige; bis Norseman, das über 700 Kilometer westlich vor uns lag, gab es keine vernünftige Einkaufsmöglichkeit!
Das Essen wurde rationiert und die abendliche Küche etwas eintönig. Doch Hand aufs Herz, auch uns tat es gut und man muss nicht gleich jeden Tag ein «Siebengänger» auf dem Tisch haben. Spaghetti mit einer einfachen Sauce tat es auch. Einfach genährt düsten wir weiter durch Westaustralien und erlebten die längste Gerade auf dem Kontinent; ganze 146 km Strasse ohne irgendeine Biegung noch Kurve. Ein Autopilot wäre da wünschenswert gewesen.
Irgendeinmal hatten wir genug vom Eyre Highway, der endlosen Nullarbor Plain und den riesigen Lastzügen, die ich (Tom) jedes Mal als entgegenkommende Gefahr wahrnahm. Beim Roadhouse Balladonia erkundigte ich mich über den Pistenzustand der Balladonia Road zum Cape Arid Nationalpark. Auf alten Karten ist diese Verbindung noch als unbefestigte Strasse, auf neueren Karten nur noch als nicht unterhaltene Piste eingezeichnet. Die angerufene Person bei der zuständigen Stelle war zwar über meinen Anruf etwas verwundert, doch die anschliessenden Fragen ihrerseits waren präzise und sie wollte einiges über uns erfahren. Unser Fahrzeug als auch die nötige Ausrüstung entsprach den Anforderungen und schon hiess es; gute Fahrt.
Den Benzintank und die Wasservorräte füllten wir wieder komplett auf. Chantal kontrollierte noch die restlichen Lebensmittel und gab entsprechende Entwarnung, wir werden weder verhungern noch verdursten. Schon verliessen wir das Roadhouse, wo an diesem Nachmittag ein emsiges Treiben war; während der Ferienzeit herrscht in dieser Gegend wohl reger touristischer Verkehr.
Kaum lag der Eyre Highway und das Roadhouse hinter uns, schon waren wir wieder in absoluter Einsamkeit. Unser Weg wurde auch zunehmend schlechter; sandige Passagen, tiefe Schlaglöcher und tödliches Wellblech wechselten sich gegenseitig ab. Bis zum Cape Arid Nationalpark begegneten wir keiner Menschenseele und beim abendlichen Camp bei einem ausgetrockneten See begleiteten uns nur die vielen Vögel in die Nacht. Der Sternenhimmel liess uns bald in tiefe Träume versinken. Die morgendlichen frischen Pferdeäpfel gaben uns den Hinweis, dass nachts doch grössere Tiere neben unserem Auto waren, aber wir trotz absoluter Stille von diesem Besuch nichts mitbekommen hatten.
Am nächsten Tag wollte ich (Tom) auf den 594 Meter hohen Tower Peak steigen. Doch bald liess ich von diesem Vorhaben ab. Es hätte viel Zeit in Anspruch genommen und der Weg führte im unteren Teil durch dichte Buschlandschaft, was ich aus Sicherheitsüberlegungen gleich ausschloss; alleine unterwegs und ich liebe die kriechenden Tiere (Schlangen) nicht sonderlich. So setzten wir unsere Holperfahrt fort. Nach einem Zwischenstück intensiver Landwirtschaft erreichten wir abends das Recherche-Archipel. Dort sollte es 105 kleine und grössere Inseln geben und über 1800 Klippen am Meer. Nebst der reichen Tierwelt, lockt das Meer mit seinen unzähligen Buchten viele Menschen an, die hier ihre Ferien verbringen und die möglichen als auch erlaubten Stellplätze fast aus allen Nähten platzen lassen.
Vor langer Zeit segelten die französischen Schiffe «La Recherche» und «L’Ésperance» der Südküste entlang und gründeten u.a. die Siedlung Esperance. In dieser Hoffnung steuerten wir auf diesen Ort zu und hofften, hier eine Bleibe für ein paar Tage zu finden. Die Hoffnung wurde doch bald von der Realität eingeholt; wer während der Ferienzeit nicht im Voraus eine Reservierung tätigt, hat oft das Nachsehen. Und an der Küste westlich von Esperance wird freies Stehen mit bis zu 2000 $ Busse sanktioniert. Es lebe die australische Freiheit!
Chantal und Tom/Feb. 2026





























































































