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>Bilder ganz unten!

Die Bilanz der letzten 19 Tage vom auslaufenden Jahr sind wohl bald erzählt. Warme Temperaturen begrüssten uns bei der Hafeneinfahrt und wir konnten die morgendliche wärmende Sonne auf dem Deck geniessen. Doch auch in Victoria wurden wir bald vom bisherig erlebten eingeholt….

Kaum hatten wir festen Boden unter den Rädern, schon steuerten wir den nächsten Supermarkt an; die Vorräte mussten wieder ergänzt werden. Auch von Tasmanien durften wir keine frischen Produkte wie Gemüse und Früchte mitnehmen. Vollbepackt ging es hinaus zum nächsten Nationalpark, wo wir uns mit der Planung der nächsten Tage beschäftigten. Melbourne lag noch wenige Kilometer von uns entfernt und diese Metropole dürfen oder wollten wir nicht auslassen.

So stürzten wir uns anderntags ins vorweihnächtliche Treiben von Melbourne und waren von der Hektik etwas überrascht. Überall schlenderten Menschenmassen durchs Zentrum und auf den Trottoirs war ein Gedränge, was wir schon lange nicht mehr so erlebten. Die weiss bemalten Weihnachtbäume und die Schaufensterauslagen versuchten eine weihnächtliche Stimmung an diesem warmen Tag zu vermitteln, wo alle in Shorts und leichter Bekleidung unterwegs waren. Irgendwie eindrücklich und gleichzeitig etwas verwirrend.

Die Hektik der Stadt konnte uns nicht sonderlich lange in ihren Bann ziehen. Wir hatten andere Ziele und wollten wieder hinaus, wo es etwas ruhiger zu und her ging. Auf meinem Wunschzettel (Tom) stand u.a. der südlichste Punkt vom australischen Hauptland. Beim Wilsons Promontory Nationalpark kann man diesen Punkt bei einer mehrstündigen Wanderung erreichen. So buchten wir unseren Platz auf dem Parkcamping und hofften auf viel Sonnenschein. Doch weder Sonnenschein noch ein schöner Campingplatz war es; Chantal spottete nur über diese Massenabfertigung in der Natur. Das Gedränge rund um die Zelte und Wohnwagen entsprach nicht ganz unseren Vorstellungen. Die Wanderung meinerseits (Tom) fiel wettermässig buchstäblich ins Wasser und so liessen wir den südlichsten Punkt ohne unseren Besuch zurück.

Unsere Weiterfahrt war erneut ein Zickzack-Kurs durch den hügeligen Bundesstaat Victoria. Die einsamen Strassen durch die weiten Staatswälder waren unser nächstes Ziel. Auch der südliche Teil des Alpine Nationalpark, der in Victoria liegt, wurde bald durch uns befahren und als Krönung folgte noch der Snowy River Nationalpark. In diesen weiten Wäldern wurde schon immer viel Holz geschlagen und was heute nicht unter Schutz steht, wird immer noch regelmässig von der Holzindustrie genutzt. Bei der europäischen Besiedelung liessen Goldfunde ganze Täler kurz aufleben. Von dieser goldenen Zeit durchstreiften wir mehrere kleine Ortschaften, die heute für den Besucher mit viel Aufwand gepflegt werden. Wir erreichten bald das Tasman-Meer und den östlichen Zipfel von Victoria. Die Ferienzeit machte sich bemerkbar und selbst in den entlegensten Tälern waren die Campingmöglichkeiten in den Parks bereits sehr gut besucht.

Über Schleichwege – wir wollten erneut nicht all unser Gemüse abgeben – erreichten wir New South Wales und das Meer. Ja, die Urlaubszeit der Aussies hatte uns erreicht; überall war Ferienstimmung und die möglichen Übernachtungsorte liess unseren Puls immer wieder in die Höhe schnellen, ob wir für die kommende Nacht ein passendes Plätzchen finden würden. Wir lieben die Vorausplanung nicht besonders und nehmen es eher wie es kommen wird, was während der Hochsaison vielleicht nicht gerade der richtige Weg ist.

Ein kurzes Stück folgten wir dem Tasman-Meer in nördlicher Richtung und genossen so halbwegs die ausgelassene vorweihnächtliche Stimmung. Die Hektik auf der Küstenstrasse war für das grosse Land etwas aussergewöhnlich. Wer nicht die erlaubte Höchstgeschwindigkeit oder etwas darüber unterwegs ist, erlebt die Aussies als kleine Rennfahrer mit gewagten Überholmanövern. Wahnsinn was manchmal auf den Strassen abgeht; Hauptsache, man hat irgendwie überholt!

Wir verliessen die Küstenstrasse und steuerten Canberra im Landesinnern an. Kurz nach der Abbiegung wurde auch der Verkehr ruhiger und die unzähligen Tierkadaver am Strassenrand waren nicht mehr omnipräsent. Bis zur australischen Hauptstadt durchstreiften wir noch unzählige kleinere Schutzgebiete, weites Farmland und unzählige Dörfer.

In der australischen Hauptstadt Canberra war es sehr ruhig. Da zur vorweihnächtlichen Zeit wohl keine grossen politischen Geschäfte anstanden, bewegten sich nur sehr viele Touristen im Stadtgebiet und um den Regierungssitz umher. So durften wir uns fast frei durchs Parlament umher bewegen und über diesen faszinierenden Neubau nur staunen. Die grösste Australien-Flagge auf dem Dach soll auch verdeutlichen, dass dieses Land wirklich riesig ist.

Wo einst die Bilder der Apollo-Mondlandung und die ersten Schritte von Neil Armstrong die Erde erreichten – die NASA betrieb u.a. eine Station in Australien – fanden wir ein freies Plätzchen ausserhalb der Hauptstadt in einem Nationalpark. Die weiteren Reservierungen waren bald ein Ding der Unmöglichkeit. Wir wollten den Kosciuszko Nationalpark durchstreifen und auf Tom’s Wunschliste stand ebenfalls die Wanderung auf den höchsten australischen Berg. Doch weit und breit waren alle möglichen Campingmöglichkeiten ausgebucht und private Anbieter sucht man in den Nationalparks vergebens.

Etwas enttäuscht verliessen wir die Region und machten uns auf den Weg in Richtung Westen; der Murray-Fluss war für uns die Wegrichtung. Dieser Fluss ist der längste in Australien; nach dem Verlassen der Berge schlängelt er sich in Richtung Westen. Nebst vielen Staustufen gibt es auch grössere Abschnitte, die unter Naturschutz stehen, jedoch touristisch genutzt werden darf. Eigentlich eine tolle Sache, dass man sich an den vielen Auen und natürlichen Flussbiegungen für die Nacht hinstellen darf. Doch es war ja Ferienzeit und die Aussies lieben es genauso wie wir; die Zeit in der Natur zu verbringen. So waren wir jeweils froh, irgendwie und -wo noch einen freien Stellplatz online buchen zu können.

Das Jahr neigte sich seinem Ende zu und wir fanden westlich von Albury an einer wunderbaren Flussbiegung ein freies Plätzchen. Gemäss Onlinebuchung sollte es klappen. Vor Ort war alles andere als von uns erwartet; ein dichtes Gedränge von Wohnwagen und Zelten, die vielen Autos und Bootsanhänger machten den vorhandenen Platz noch enger. Die Leute waren schon in Silvesterlaune und auf dem Fluss war reger Motorbootbetrieb. Uns war dies alles irgendwie egal. Kaum hatten wir unser Auto zwischen zwei Wohnwagen parkiert, schon stürzten wir uns ins Wasser und genossen die Abkühlung an diesem heissen Dezembertag.

Bei unserer Ankunft an diesem Platz viel uns der leicht dröhnende Lärm zuerst gar nicht auf. Doch, je länger wir uns auf diesem Platz aufhielten, desto auffälliger wurde es; überall brummten die Notstromgeneratoren, so dass die Wohnwagen klimatisiert waren und der nötige Strom für die Kühlbox anstand. Jedenfalls Bier wurde am Flussufer in reichlichen Mengen konsumiert. Uns sagte dieses Ramba-Zamba nicht zu. Kaum auszumalen, wie es am Silvesterabend zu und her gehen wird!?

Anderntags packten wir wieder unsere Sachen und fuhren zurück in östlicher Richtung. Östlich von Albury standen wir bereit eine Nacht in einem einsamen Wald und dies war unser Wunschplatz für das Jahresende. Die Erwartungen waren zwar hoch, doch unser Wunsch ging in Erfüllung; wir hatten einen einsamen und ruhigen Platz, wo wir nur von zwei Fuchskusus besucht wurden. Und, da grössere Feuer- und Waldbrandgefahr herrschte, gab es nicht einmal aus der Ferne irgendwelche Anzeichen eines Feuerwerkes. So lieben wir es!

Und, ganz nebenbei; wir waren erneut sehr nahe am Kosciuszko-Nationalpark. Vielleicht klappt es doch noch mit meiner Wanderung (Tom) auf den höchsten Berg Australiens. Man weiss ja nie!

Chantal u. Tom/(Dez.2025;) Jan. 2026